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 Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?

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Wolfsspur
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BeitragThema: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   27.09.14 14:37

In den Schreibtürmen ergab sich ein interessantes Gespräch, dass ich hier übertragen möchte und hoffe, es finden sich ein paar mehr Schreiberlinge, die ihre Erfahrungen und Technik teilen wollen.

In diesem speziellen Gespräch ging es um Geflügelte und speziell, wie würde es sich auswirken auf die Sprache, wenn das Volk fliegen kann?
Das kann man auf jedes Volk übertragen. Wie und ob überhaupt, übertragt ihr das Wesen eurer Rassen in die Sprache? Findet ihr das wichtig oder nervt es eher? Inwieweit spielt die Rasse, die Gesellschaftsschicht, Familiengeschichte und Beruf für euch eine Rolle und fließt das automatisch ein oder macht ihr euch gesondert Gedanken?

Vielleicht mögt ihr ja Beispiele aus euren eigenen Texten bringen.
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Xhex
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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   28.09.14 13:47


Tolles und vor allem in meinen Augen ein sehr wichtiges Thema, dass du hier begonnen hast, Wolfsspur.

Ja, das leidige Thema Sprache und wie unterschiedlich sie von Rasse zu Rasse sein kann - oder vielleicht besser gesagt, sein muss. Zumindest empfinde ich das so. Denn meiner Meinung nach kommt man doch gar nicht drum herum, jeder Rasse eine ganz eigene Sprache/Wortschatz zu geben. Gerade wenn sie dazu auch noch aus völlig unterschiedlichen Welten stammen. Man muss sich doch nur einmal unsere menschliche Sprache anschauen und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert hat und auch weiterhin verändern wird. Wie kann es da sein, dass Rassen, die in ganz unterschiedlichen Welten, in verschiedenen Verhältnissen, mit anderen Ritualen und Gestzen aufgewachsen sind, eine einheitliche Sprache und/oder Ausdrucksweise haben? Kann in meinen Augen gar nicht funktionieren. Aber naürlich ist das nicht einfach - besonders dann nicht, wenn es in einer Geschichte mehrere unterschiedliche Rassen gibt, die dazu noch aus mehreren Welten, Zeiten und/oder Gewohnheiten stammen.

In meiner Geschichte gibt es viele Rassen, insgesamt 3 Andersweltreiche (Totenreich, Seenland und die Unterwelt) und eben unsere Erde in der Gegenwart. Die Sprache in den Andersweltreichen kann sich ähneln, dennoch versuche ich zumindest auch zwischen der Sprache dieser 3 Reiche, wenn auch nur kleine Unterschiede einzubauen. Der kann darin bestehen, dass ein Wesen aus Seenland bei einem überraschten Ausruf, den Gott Dagda (Hauptgott der gesamten Anderswelt) ausruft, während ein Wesen bei einem Fluch sich auf den großen Unterweltsgott Hafgan bezieht. Bei der Sprachentwicklung versuche ich immer, mich in die Wesen des entsprechenden Reiches hineinzuversetzen und mir vorzustellen, was aus der Welt dieses Wesens Einfluss auf die Sprache genommen hat.

Jedoch gibt es in meiner Geschichte auch eine ganz spezielle Figur, die die ersten etwa 350 Jahre ihres Lebens in der Anderswelt gelebt hat, nun aber seit rund 100 Jahren auf der Erde unter den Menschen lebt, und zwar unerkannt. Also muss diese Figur zwingend in der Sprache der Menschen sprechen um nicht aufzufallen. Im Übrigen hat sich das bei vielen Wesen bei mir so verhalten, da sie vor dem Outing allesamt nicht durch ihre Sprache auffallen durften. Aber zurück zu besagter Figur. Rund 350 Jahre Sprache prägen - keine Frage. Und meine Figur "verfällt" auch immer sofort in diese gewohnte Sprache zurück, sobald sie nicht mit Menschen sondern mit Paras zusammen ist. Mehr als nur einmal habe ich mir da dann aber die Frage gestellt, wie häufig würde es einer solchen Figur aus Versehen passieren, dass sie, wenn sie mi den Menschen spricht, nicht in "alte" Gewohnheiten/Ausdrücke verfällt. Eine wirkliche Antwort habe ich da bisher aber auch noch nicht zu gefunden. Zumindest ist es besagter Figur gelungen, sich sprachlich bei den Menschen nicht zu verraten.

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Chewi



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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   30.09.14 23:02

Interessantes Thema - wobei ich allerdings gestehen muss, dass ich auf sowas nur bedingt achte/ Rücksicht nehme. Das Problem mit den Geflügelten habe ich beispielsweise nicht, dafür allerdings diverse andere Figuren mit exotischen Hintergründen, die sich hin und wieder doch in der Sprache zeigen.
Auf der anderen Seite aber denke ich mir: Ich schreibe einen Text in deutscher Sprache - das heißt, sofern meine Figuren nicht auch Deutsch sprechen, ist es ohnehin schon eine Art "Übersetzung" ins Deutsche, weswegen ich auch darauf verzichte, jedem zweiten Verb einen "rassenspeziefischen Anstrich" zu geben und dass ich eigentlich nicht darüber nachgrüble, ob ein Geflügelter doch lieber spazieren fliegt anstatt spazieren zu gehen. Klar, kann man das machen, aber meiner Meinung nach muss man nicht jedes Mal das Rad neu erfinden.
Interessanter finde ich da hingegen spontane Ausrufe und Redewendungen. Wenn Dennis "Oh mein Gott!" rufen würde, wäre das doch bei näher Betrachtung ziemlich seltsam, auch wenn das einem oberflächlichen Leser vielleicht nicht unbedingt auffallen würde.

Inzwischen achte ich aber auch verstärkt darauf, wie sich der Hintergrund meiner Figuren auf ihre Ausdrucksweise auswirkt.
Dennis beispielsweise, bezeichnet einen unliebsamen Menschen gerne mit Ausdrücken wie "Shizeh" oder "Hemmlinghüter". Seine Umgebung wundert sich darüber auch ganz gerne mal.
Kari flucht inzwischen teilweise auf Finnisch - ein Hoch auf die Internetseite mit der Liste finnischer Beleidigungen und Kraftausdrücke!
Dann sind da noch diverse Nichtmenschen, die jedoch nur bedingt Gelegenheit haben, eine rassenspeziefische Ausdrucksweise an den Tag zu legen, da sie sich an der allgemeinen Sprache orientieren.
Surea hat allgemein eine wunderbar vulgäre Ausdrucksweise und auch wenn sie durchaus weiß, wie man höflich ist, entspricht das Vulgäre mehr ihrem Wesen und ihrem Hintergrund.
Bei den Sa'sacai habe ich bewusst auf eine fremdartige Sprachweise verzichtet - die leben schon zu lange unter Menschen und haben da einfach deren Ausdrucksweise übernommen. In aller Regel kommunizieren die mit einem eher gesitteten Vokabular.
Fensarion ist ein komischer Sonderling, der die Ausdrucksweise seines Volkes mitgebracht hat und keine Ambitionen hat, sie abzulegen oder zu erklären. Auch seine Umgebung wundert sich darüber hin und wieder.
Meine Elfen Dutzen sogar ihren König - allerdings sind ihnen Titel extrem wichtig. Während die Menschen den Pluralis Majestatis vorziehen, wann immer eine Höflichkeits, Respekt- oder Abhännigkeitsbeziehung besteht. Außerdem würden sich meine Elfen niemals als "Elfen" bezeichnen, sondern als "Sin'farai".

Dann sind da noch Dinge wie Sprichwörter und Redewendungen, die ich mindestens anpasse oder auch komplett neu erfinde. Der Typ aus der Seefahrernation hat allerlei Meeres-Metaphern und der Typ aus der Wüste kennt vermutlich vierzig verschiedene Wörter für "Sand".
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turbo



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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   03.10.14 11:14

Die Sprache ist ja ein wichtiges Mittel zur Charakterisierung. Das hat nicht nur mit der Herkunft zu tun, es offenbaren sich auch viele andere Dinge in der Art, wie ein Charakter sich ausdrückt. Bildung, Eitelkeit, Arroganz oder Demut - und natürlich kann die Sprache auch zur Verschleierung der Herkunft dienen.
Sie kann auch Entwicklung ausdrücken. Der einfache Dorfjunge, der als Fünfjähriger das erste Mal auftaucht, spricht natürlich anders als sein fünfzehnjähriges Selbst Jahre später.
Ich finde, wenn man bei bestimmten Figuren spezielle Redewendungen einbaut, die mit ihrem Lebensbereich zu tun haben, dann sollte man recht sparsam mit so etwas umgehen, es wird leicht zu viel und kann dann eher nerven als helfen.
In der richtigen Dosierung kann man damit auch gut Atmosphäre schaffen.

Mit Beispielen ist es nicht so einfach, wenn man die Zusammenhänge und Figuren nicht kennt, ich versuche es trotzdem mal:

Bei mir gibt es eine Reihe alter Figuren, die eher abgeklärt und weise wirken sollen. Nach vielen Jahren im Tempel haben sie eine gewisse Ausstrahlung und sie reden nicht so viel.

Makar ist ein einfacher Mann. Er ist kein Schriftgelehrter. Seine Sätze sind kurz und einfach. Als die Schüler einen Irren verspotten, der vor den Tempeltoren das Ende der Welt verkündet, bereitet er dem ein rasches Ende.

"Macht euch das Spaß? Weil er sich nicht wehren kann? Was seid ihr für Menschen? Habt ihr kein Mitleid? Keinen Anstand?"

Als man Jefiral einschüchtern will und ihm mitteilt, er würde in zwei Tagen hingerichtet, bleibt er scheinbar völlig ungerührt und seine Stimme ist fest. "In den den alten Schriften heißt es, die Götter gewähren nur wenigen Auserwählten die Gnade, die Stunde ihres Todes genau zu kennen. Ich danke Euch." Nach den Drohungen und Beschimpfungen, die er vorher erfahren hat, ist das ein ziemlicher Kontrast und ein Zeichen für seine Überlegenheit.

Cecil und Maud sind zwei alte Nonnen. Das "Gelobt sei Jesus Christus" begleitet sie auf ihrem Weg und selbstverständlich fluchen sie nicht. Das würde auch bei ihren Greisinnenstimmen eher lächerlich wirken. Ich lasse sie einige Worte verwenden, die man nur noch selten hört, "ich vermag nicht" / "es gebricht mir an" ... , was sowohl ihr hohes Alter als auch eine lebenslange Beschäftigung mit Büchern zeigen soll.
Als die Stadtwache sie nicht einlassen will, weil ihr Habit nicht den neuen Bekleidungsvorschriften für Frauen entspricht
( der Rock reicht nicht bis zum Boden, zwischen den derben Schuhen und dem Rocksaum ist ein kleines Stück Bein zu sehen und das Gesicht ist nicht bedeckt ), versteht die schwerhörige Maud nicht, was die Männer wollen - sie ist angezogen wie immer, seit 60 Jahren trägt sie diese Kleidung. Cecil erklärt dann: "Die Herrschaften fürchten, unseren weiblichen Reizen zu erliegen."
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Irfan



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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   05.10.14 18:10

So, hab das Thema irgendwie vollkommen übersehen bis jetzt, obwohl es mich absolut direkt betrifft. Ich lasse es mir aber trotzdem nicht nehmen hier mal kurz meine Ansichten dazu kund zu tun. Bin nur leider etwas spät dran damit ...

Wie dem auch sei. Das Thema ist wirklich interessant und auch wichtig und ich finde schon, dass Herkunft unbedingt Sprache und Denkweise beeinflussen soll. Bis zu einem gewissen Grad jedenfalls.

Nehmen wir das Beispiel der Geflügelten von Wolfsspur, das kommt ja immerhin aus meiner Geschichte. Wolfsspur hat in ihrem Kommentar (ganz zu recht, sei erwähnt Wink ), angemerkt, dass es wichtig ist, sprachlich zwischen Wesen mit Flügel und denen ohne, zu unterscheiden. Sie hat da im besonderen die sprachliche Ausdrucksweise in einem spezifischen Fall angemerkt, wirklich mit ihrer Lösung besser funktioniert hätte. Generell war es eine Anmerkung darüber, dass Geflügelte Ausdrücke wie 'durchschreiten' und 'Weg' nicht in ihrer Sprache oder ihren philosophischen Konzepten verwenden sollen, weil sie eben Flügel haben.
Während ich die Logik dahinter vollkommen verstehe (besonders in dieser spezifischen Passage, wo es das aufgetaucht ist) finde ich, muss man da differenzieren: Ich sehe es immer noch absolut unpassend diesen Geflügelten so zwanghaft eine eigene Ausdrucksweise aufzuzwingen. Denn auch wenn sie fliegen, das ist nicht alles was sie tun und ihre Kultur und Sprache (auch wenn sie zweifelsohne davon beeinflusst wird), ist ganz sicher nicht nur auf diesem einen 'Gimmick' aufgebaut.
Die Geflügelten (zumindest in diesem spezifischen Fall) verbringen die meiste Zeit ihres Lebens am Boden. Gehen und laufen wie die üblichen Zweibeiner und vielleicht wichtiger noch: Sie sind nicht als eigenständige "Rasse"/"Wesen" entstanden, und haben so eine vollkommen eigene Kultur entwickelt, sondern wurden vor nicht allzu langer Zeit von einem nicht fliegenden Wesen geschaffen. Sie haben keine eigene Sprache, sondern sprechen die Sprache der Zweibeiner aus denen sie hervorgegangen sind und mit denen sie ihre Welt teilen. Und, wichtiger noch. Die Geflügelten werden immer noch als die Kinder dieser nicht geflügelten Wesen geboren und haben deshalb noch starke Bindungen zu ihren 'Vettern'.
All diese Dinge fließen in die Sprache und Ausdrucksweise von Wesen mit ein und deshalb ist es wirklich nicht so einfach, wie zu sagen "die haben Flügel, also muss klarer Weise jeder zweite Satz eine Referenz ans Fliegen beinhalten und jede Redewendung auf Flügel umgewandelt werden" (das ist jetzt SEHR überspitzt ausgedrückt, dass also bitte nicht ganz ernst nehmen ...).

Das heißt aber natürlich nicht, dass bei diesen Geflügelten nicht doch Redewendungen und ausdrücke existieren, die sich darauf beziehen, dass sie Flügel haben, aber sie sind definitiv nicht die Norm. Als Beispiel_ Ein Geflügelter würde immer noch sagen "Keinen Schritt weiter!" und nicht "Keinen Flügelschlag weiter!" (außer sie fliegen in diesem Moment) ... Wobei selbst dann wäre ich mir nicht sicher ob sie das nicht doch verwenden würden, weil es auch in ihrer Sprache als Redewendung verankert ist. Oder auch "Durchschreite dieses Portal" und nicht "Durchfliege dieses Portal", einfach nur, weil sie defintiv öfters durch ein Portal/Tür/Tor gehen als sie fliegen (Gott, die Flügel die sie sich dabei ständig brechen würden mr.green ). Das weitet sich dann natürlich auch auf etwas metaphysischere Konzepte wie vielleicht ein magisches Portal aus ... (Wobei, wenn sie schon in ein Portal fallen, dann fallen sie auch, das habe selbst ich alter Sturschädel langsam akzeptiert mr.green ).

Das bringt mich auch gleich zum nächsten Problem, dass dabei auftaucht. Besonders in der Fantasy ist es ja oft so, dass die Sprache die wir als 'Deutsch' lesen ja eigentlich eine absolut andere Sprache ist und damit mehr oder weniger für uns als Leser vom Autor übersetzt wurde (sehr meta, ich weiß, aber ich finde interessant Fantasy-Literatur mit dieser Prämisse zu betrachten ...). Wie viel kann und, vor allem, soll man dann die sprachlichen Muster verändern, wenn man aus der Perspektive eines fantastischen Wesens schreibt? Ich bin ja selbst der festen Überzeugung es ist wirklich wichtig, dass man es tut. Zu viel davon lässt aber alles holprig und künstlich wirken und macht beim Lesen keinen Spaß. Zu wenig (und ich glaube da bin ich selbst gern Opfer davon), und die Charaktere und die Welt wirken nicht mehr andersartig genug, um glaubhaft zu sein.
Um das noch etwas weiter zu spinnen Ich persönlich sehe da noch ein weiteres Problem (und jetzt pinsle ich wirklich absichtlich den Teufel an die Wand): Wie viel 'Fantasy-Wörter' soll man in solchen Geschichten einbauen? Oder, sollte man nicht doch besser gleich immer ein Fantasy-Wort nehmen, dass in einem Glossar erklärt ist, bevor man die Erzählsprache verknotet, nur um die Charaktere krampfhaft anders sprechen zu lassen? Ich finde ja das kann unmöglich funktionieren (Außer man hat ein R. R. im Namen Wink ). Aber ganz Objektiv, wäre das trotzdem authentischer, als unsere Sprache krampfhaft an die ausdrucksweise fantastische Wesen anzugleichen ...

Vielleicht zum Abschluss ein nicht ganz so abgehobenes Beispiel: Als jemand der viel mit Englisch zu tun hat (mittlerweile fast mehr als mit Deutsch, um ehrlich zu sein), sehe ich das Problem ja schon in den Übersetzungen ins Deutsche. Die Kultur von Deutschen und Engländern ist jetzt ehrlich nicht sooo weit auseinander, aber sprachlich liegen in eingen Fällen doch Welten zwischen uns. Gerade bei Flüchen ist das ganz stark zu bemerken, wenn man ein Buch im englischen Original und der deutschen Übersetzung liest. Deutsch hat Beispielsweise stärkere Fekal-Flüche, wogegen Englisch eher Genital-/Sexual-Flüche hat. Ein englisches 'fuck' ist unmöglich ins Deutsche als 'fick' zu übersetzen ohne lachhaft im Kontext zu klingen.
Das nur als Denkanstoß, wie weit wir dieses Konzept in der Fantasy beachten sollen, wenn wir aus der Sicht fantastischer Wesen mit fantastischen Sprachen schreiben ...

P.S.: das ganze sind nur Denkanstöße und damit keinesfalls hieb und stichfeste Argumente. Nur ein paar verworrene Gedankenstränge die ich mal schnell niedergetippt habe.

lg,
Irfan
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Wolfsspur
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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   06.10.14 23:46

Hallo Xhex!


Zitat :
Ja, das leidige Thema Sprache und wie unterschiedlich sie von Rasse zu Rasse sein kann - oder vielleicht besser gesagt, sein muss. Zumindest empfinde ich das so. Denn meiner Meinung nach kommt man doch gar nicht drum herum, jeder Rasse eine ganz eigene Sprache/Wortschatz zu geben. Gerade wenn sie dazu auch noch aus völlig unterschiedlichen Welten stammen. Man muss sich doch nur einmal unsere menschliche Sprache anschauen und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert hat und auch weiterhin verändern wird. Wie kann es da sein, dass Rassen, die in ganz unterschiedlichen Welten, in verschiedenen Verhältnissen, mit anderen Ritualen und Gestzen aufgewachsen sind, eine einheitliche Sprache und/oder Ausdrucksweise haben? Kann in meinen Augen gar nicht funktionieren. Aber naürlich ist das nicht einfach - besonders dann nicht, wenn es in einer Geschichte mehrere unterschiedliche Rassen gibt, die dazu noch aus mehreren Welten, Zeiten und/oder Gewohnheiten stammen.
Ja, am Konsequentestenhat das dann wohl Tolkien durchgezogen, indem er sich wirklich an die Sprachfindung gemacht hat. Wie auch viele andere, sooo arbeitswütig bin ich nicht, ich streue nur gaaanz selten andere Begriffe ein.

Zitat :
In meiner Geschichte gibt es viele Rassen, insgesamt 3 Andersweltreiche (Totenreich, Seenland und die Unterwelt) und eben unsere Erde in der Gegenwart. Die Sprache in den Andersweltreichen kann sich ähneln, dennoch versuche ich zumindest auch zwischen der Sprache dieser 3 Reiche, wenn auch nur kleine Unterschiede einzubauen. Der kann darin bestehen, dass ein Wesen aus Seenland bei einem überraschten Ausruf, den Gott Dagda (Hauptgott der gesamten Anderswelt) ausruft, während ein Wesen bei einem Fluch sich auf den großen Unterweltsgott Hafgan bezieht. Bei der Sprachentwicklung versuche ich immer, mich in die Wesen des entsprechenden Reiches hineinzuversetzen und mir vorzustellen, was aus der Welt dieses Wesens Einfluss auf die Sprache genommen hat.
Ja genau, so mache ich es auch. Versuche ein anderes Gefühl zu bekommen, obwohl ich ja meinen Geflügelten zum Beispiel eine ungewöhnliche Sprachliche Auffassungsgabe gegeben habe und somit Grammatikalische Ausrutscher eher selten sind. Da hab ichs dann über die Sprachwelt gemacht, eben das fliegen.

Zitat :
Jedoch gibt es in meiner Geschichte auch eine ganz spezielle Figur, die die ersten etwa 350 Jahre ihres Lebens in der Anderswelt gelebt hat, nun aber seit rund 100 Jahren auf der Erde unter den Menschen lebt, und zwar unerkannt. Also muss diese Figur zwingend in der Sprache der Menschen sprechen um nicht aufzufallen. Im Übrigen hat sich das bei vielen Wesen bei mir so verhalten, da sie vor dem Outing allesamt nicht durch ihre Sprache auffallen durften. Aber zurück zu besagter Figur. Rund 350 Jahre Sprache prägen - keine Frage. Und meine Figur "verfällt" auch immer sofort in diese gewohnte Sprache zurück, sobald sie nicht mit Menschen sondern mit Paras zusammen ist. Mehr als nur einmal habe ich mir da dann aber die Frage gestellt, wie häufig würde es einer solchen Figur aus Versehen passieren, dass sie, wenn sie mi den Menschen spricht, nicht in "alte" Gewohnheiten/Ausdrücke verfällt. Eine wirkliche Antwort habe ich da bisher aber auch noch nicht zu gefunden. Zumindest ist es besagter Figur gelungen, sich sprachlich bei den Menschen nicht zu verraten.
Wenn man quasi unter Ausnahmezustand lebt, ist das glaube ich nicht so oft der Fall und kann dann mit exotischen Sprachen erklärt werden (öh, das war jetzt ein finnischer Fluch meiner Urgroßmutter mr.green ) Würde er nicht unter Geheimhaltung leben sicher öfter. Dazu ist er aber auch noch sowas wie ein Soldat, da ist Disziplin noch erwartbarer, sowohl beim erlernen der neuen sprache als auch beim Trennen von der Alten. Insofern ist es ja eher seine Art die doch am Anfang aufsehen erregt. Das Empathische konnte er nicht so gut verbergen.
Ich finde auch über die Sprache kann man sich gut tiefer in den Charakter graben

Zitat :
Interessantes Thema - wobei ich allerdings gestehen muss, dass ich auf sowas nur bedingt achte/ Rücksicht nehme. Das Problem mit den Geflügelten habe ich beispielsweise nicht, dafür allerdings diverse andere Figuren mit exotischen Hintergründen, die sich hin und wieder doch in der Sprache zeigen.
Auf der anderen Seite aber denke ich mir: Ich schreibe einen Text in deutscher Sprache - das heißt, sofern meine Figuren nicht auch Deutsch sprechen, ist es ohnehin schon eine Art "Übersetzung" ins Deutsche, weswegen ich auch darauf verzichte, jedem zweiten Verb einen "rassenspeziefischen Anstrich" zu geben und dass ich eigentlich nicht darüber nachgrüble, ob ein Geflügelter doch lieber spazieren fliegt anstatt spazieren zu gehen. Klar, kann man das machen, aber meiner Meinung nach muss man nicht jedes Mal das Rad neu erfinden.
Interessanter finde ich da hingegen spontane Ausrufe und Redewendungen. Wenn Dennis "Oh mein Gott!" rufen würde, wäre das doch bei näher Betrachtung ziemlich seltsam, auch wenn das einem oberflächlichen Leser vielleicht nicht unbedingt auffallen würde.
Ja, man kann isch ganz leicht ein zuviel des guten Vorstellen, allerdings finde ich muss man dann auch innerhalb der Geschichte denken, nicht nur an die deutsche Übersetzung, also wie es unterhalb der Rassen ist. Kann da wirklich jeder jeden Problemlos verstehen? Gibts nicht doch Eigenheiten, die man herausarbeiten kann, ohne gleich krasse Dialekte zu erfinden oder eben mit Fremdbegriffen um sich zu werfen ...
Und ja, Redewendungen finde ich besonders schwierig, weil die auch ihre Geschichte haben und die doch eben an unsere Welt häufig gebunden sind. Also wieso sollte in einer anderen Welt jemand über den Jordan gehen? Und solche Dinge.
Und ich finde eben doch, dass Ffügel schoon wichtig sind, dazu aber mehr bei Irfan mr.green

Hallo Chewi

Zitat :
Inzwischen achte ich aber auch verstärkt darauf, wie sich der Hintergrund meiner Figuren auf ihre Ausdrucksweise auswirkt.
Dennis beispielsweise, bezeichnet einen unliebsamen Menschen gerne mit Ausdrücken wie "Shizeh" oder "Hemmlinghüter". Seine Umgebung wundert sich darüber auch ganz gerne mal.
Kari flucht inzwischen teilweise auf Finnisch - ein Hoch auf die Internetseite mit der Liste finnischer Beleidigungen und Kraftausdrücke!
Sowas finde ich auch sehr schön charakterspezifisch. Dennis, der sich nciht drum schert, ob Menschen dasmerkwürdig finden und eben das finnische.
Zitat :
Dann sind da noch diverse Nichtmenschen, die jedoch nur bedingt Gelegenheit haben, eine rassenspezifische Ausdrucksweise an den Tag zu legen, da sie sich an der allgemeinen Sprache orientieren.
Surea hat allgemein eine wunderbar vulgäre Ausdrucksweise und auch wenn sie durchaus weiß, wie man höflich ist, entspricht das Vulgäre mehr ihrem Wesen und ihrem Hintergrund.
Bei den Sa'sacai habe ich bewusst auf eine fremdartige Sprachweise verzichtet - die leben schon zu lange unter Menschen und haben da einfach deren Ausdrucksweise übernommen. In aller Regel kommunizieren die mit einem eher gesitteten Vokabular.
Die Sa'sacai finde ich nun besonders interessant, weil sie ja irgendwie erst mit Menschen entstanden sind, also eigentlich voher keine Sprache haben konnten, oder?

Zitat :
Fensarion ist ein komischer Sonderling, der die Ausdrucksweise seines Volkes mitgebracht hat und keine Ambitionen hat, sie abzulegen oder zu erklären. Auch seine Umgebung wundert sich darüber hin und wieder.
Meine Elfen Dutzen sogar ihren König - allerdings sind ihnen Titel extrem wichtig. Während die Menschen den Pluralis Majestatis vorziehen, wann immer eine Höflichkeits, Respekt- oder Abhännigkeitsbeziehung besteht. Außerdem würden sich meine Elfen niemals als "Elfen" bezeichnen, sondern als "Sin'farai".

Dann sind da noch Dinge wie Sprichwörter und Redewendungen, die ich mindestens anpasse oder auch komplett neu erfinde. Der Typ aus der Seefahrernation hat allerlei Meeres-Metaphern und der Typ aus der Wüste kennt vermutlich vierzig verschiedene Wörter für "Sand".
Ja, genausowas eben entweder Lebensumwelt, wie eben das Wasser (oder bei Geflügelten der Himmel) und eben auch Charaktersachen, inwieweit kann und will eine Figur sich anderen anpassen, wenn sie von woanders herstammt.
Da ist für mich viel mehr drin als die reine Übersetzung.

Hallo turbo!
Zitat :
Die Sprache ist ja ein wichtiges Mittel zur Charakterisierung. Das hat nicht nur mit der Herkunft zu tun, es offenbaren sich auch viele andere Dinge in der Art, wie ein Charakter sich ausdrückt. Bildung, Eitelkeit, Arroganz oder Demut - und natürlich kann die Sprache auch zur Verschleierung der Herkunft dienen.
Sie kann auch Entwicklung ausdrücken. Der einfache Dorfjunge, der als Fünfjähriger das erste Mal auftaucht, spricht natürlich anders als sein fünfzehnjähriges Selbst Jahre später.
Ich finde, wenn man bei bestimmten Figuren spezielle Redewendungen einbaut, die mit ihrem Lebensbereich zu tun haben, dann sollte man recht sparsam mit so etwas umgehen, es wird leicht zu viel und kann dann eher nerven als helfen.
In der richtigen Dosierung kann man damit auch gut Atmosphäre schaffen.
Genau vcheerful vcheerful Das empfinde ich auch so, das ist so vielfältig, vom Alter der Figur, bis zu dem Lebensgefühl einer Nation oder Region oder eines Volkes.

Zitat :
Mit Beispielen ist es nicht so einfach, wenn man die Zusammenhänge und Figuren nicht kennt, ich versuche es trotzdem mal:

Bei mir gibt es eine Reihe alter Figuren, die eher abgeklärt und weise wirken sollen. Nach vielen Jahren im Tempel haben sie eine gewisse Ausstrahlung und sie reden nicht so viel.

Makar ist ein einfacher Mann. Er ist kein Schriftgelehrter. Seine Sätze sind kurz und einfach. Als die Schüler einen Irren verspotten, der vor den Tempeltoren das Ende der Welt verkündet, bereitet er dem ein rasches Ende.

"Macht euch das Spaß? Weil er sich nicht wehren kann? Was seid ihr für Menschen? Habt ihr kein Mitleid? Keinen Anstand?"
Schön! Die Sätze sind nicht nur kurz, sondern man merkt auch das das keine Floskeln für ihn sind vcheerful

Zitat :
Als man Jefiral einschüchtern will und ihm mitteilt, er würde in zwei Tagen hingerichtet, bleibt er scheinbar völlig ungerührt und seine Stimme ist fest. "In den den alten Schriften heißt es, die Götter gewähren nur wenigen Auserwählten die Gnade, die Stunde ihres Todes genau zu kennen. Ich danke Euch." Nach den Drohungen und Beschimpfungen, die er vorher erfahren hat, ist das ein ziemlicher Kontrast und ein Zeichen für seine Überlegenheit.
mr.green Ja und schön die Schriften ausgespielt. Gefällt mir gut, kann man als Überlegenheit und aber auch Schutz für ihn selbst sehen, worauf er sich besinnt, wenn man ihn angreift oder dass er weiß, dass er seinen Feind auf diesem Terrain treffen kann.

Zitat :
Cecil und Maud sind zwei alte Nonnen. Das "Gelobt sei Jesus Christus" begleitet sie auf ihrem Weg und selbstverständlich fluchen sie nicht. Das würde auch bei ihren Greisinnenstimmen eher lächerlich wirken. Ich lasse sie einige Worte verwenden, die man nur noch selten hört, "ich vermag nicht" / "es gebricht mir an" ... , was sowohl ihr hohes Alter als auch eine lebenslange Beschäftigung mit Büchern zeigen soll.
Als die Stadtwache sie nicht einlassen will, weil ihr Habit nicht den neuen Bekleidungsvorschriften für Frauen entspricht
( der Rock reicht nicht bis zum Boden, zwischen den derben Schuhen und dem Rocksaum ist ein kleines Stück Bein zu sehen und das Gesicht ist nicht bedeckt ), versteht die schwerhörige Maud nicht, was die Männer wollen - sie ist angezogen wie immer, seit 60 Jahren trägt sie diese Kleidung. Cecil erklärt dann: "Die Herrschaften fürchten, unseren weiblichen Reizen zu erliegen."
lach Gewitzt sind sie auch noch- Ich liebe solche Figuren!

Hallo Irfan, da bist du ja vcheerful
Zitat :

So, hab das Thema irgendwie vollkommen übersehen bis jetzt, obwohl es mich absolut direkt betrifft. Ich lasse es mir aber trotzdem nicht nehmen hier mal kurz meine Ansichten dazu kund zu tun. Bin nur leider etwas spät dran damit ...
Was heißt spät dran. In so einem Kleinen Forum, sollen einen ein paar Tage nicht abschrecken!!!!

Zitat :
Wie dem auch sei. Das Thema ist wirklich interessant und auch wichtig und ich finde schon, dass Herkunft unbedingt Sprache und Denkweise beeinflussen soll. Bis zu einem gewissen Grad jedenfalls.
Und der Grad ist ja eben auch Ausdruck des Autors ureigener Ansicht und deshalb so verscheiden wie spannend. mr.green

Zitat :
Nehmen wir das Beispiel der Geflügelten von Wolfsspur, das kommt ja immerhin aus meiner Geschichte. Wolfsspur hat in ihrem Kommentar (ganz zu recht, sei erwähnt Wink ), angemerkt, dass es wichtig ist, sprachlich zwischen Wesen mit Flügel und denen ohne, zu unterscheiden. Sie hat da im besonderen die sprachliche Ausdrucksweise in einem spezifischen Fall angemerkt, wirklich mit ihrer Lösung besser funktioniert hätte. Generell war es eine Anmerkung darüber, dass Geflügelte Ausdrücke wie 'durchschreiten' und 'Weg' nicht in ihrer Sprache oder ihren philosophischen Konzepten verwenden sollen, weil sie eben Flügel haben.
Während ich die Logik dahinter vollkommen verstehe (besonders in dieser spezifischen Passage, wo es das aufgetaucht ist) finde ich, muss man da differenzieren: Ich sehe es immer noch absolut unpassend diesen Geflügelten so zwanghaft eine eigene Ausdrucksweise aufzuzwingen. Denn auch wenn sie fliegen, das ist nicht alles was sie tun und ihre Kultur und Sprache (auch wenn sie zweifelsohne davon beeinflusst wird), ist ganz sicher nicht nur auf diesem einen 'Gimmick' aufgebaut.
Die Geflügelten (zumindest in diesem spezifischen Fall) verbringen die meiste Zeit ihres Lebens am Boden. Gehen und laufen wie die üblichen Zweibeiner und vielleicht wichtiger noch: Sie sind nicht als eigenständige "Rasse"/"Wesen" entstanden, und haben so eine vollkommen eigene Kultur entwickelt, sondern wurden vor nicht allzu langer Zeit von einem nicht fliegenden Wesen geschaffen. Sie haben keine eigene Sprache, sondern sprechen die Sprache der Zweibeiner aus denen sie hervorgegangen sind und mit denen sie ihre Welt teilen. Und, wichtiger noch. Die Geflügelten werden immer noch als die Kinder dieser nicht geflügelten Wesen geboren und haben deshalb noch starke Bindungen zu ihren 'Vettern'.
All diese Dinge fließen in die Sprache und Ausdrucksweise von Wesen mit ein und deshalb ist es wirklich nicht so einfach, wie zu sagen "die haben Flügel, also muss klarer Weise jeder zweite Satz eine Referenz ans Fliegen beinhalten und jede Redewendung auf Flügel umgewandelt werden" (das ist jetzt SEHR überspitzt ausgedrückt, dass also bitte nicht ganz ernst nehmen ...).
Somit ist dann die Zweibeinersprache ideal um zu zeigen, wie wurzellos diese Geflügelten sind. Also so erklärt klasse gewählt! ansonsten zeigt das wort Gimmick, dass du sie in etwa so siehst wie ihr Schöpfer?
Zitat :
Das heißt aber natürlich nicht, dass bei diesen Geflügelten nicht doch Redewendungen und ausdrücke existieren, die sich darauf beziehen, dass sie Flügel haben, aber sie sind definitiv nicht die Norm. Als Beispiel_ Ein Geflügelter würde immer noch sagen "Keinen Schritt weiter!" und nicht "Keinen Flügelschlag weiter!" (außer sie fliegen in diesem Moment) ... Wobei selbst dann wäre ich mir nicht sicher ob sie das nicht doch verwenden würden, weil es auch in ihrer Sprache als Redewendung verankert ist. Oder auch "Durchschreite dieses Portal" und nicht "Durchfliege dieses Portal", einfach nur, weil sie defintiv öfters durch ein Portal/Tür/Tor gehen als sie fliegen (Gott, die Flügel die sie sich dabei ständig brechen würden  mr.green ). Das weitet sich dann natürlich auch auf etwas metaphysischere Konzepte wie vielleicht ein magisches Portal aus ... (Wobei, wenn sie schon in ein Portal fallen, dann fallen sie auch, das habe selbst ich alter Sturschädel langsam akzeptiert  mr.green ).
mr.green
Keinen Flügelschlag weiter mr.green Ja, man kann es auch übertreiben. Aber ich würde dennoch keine Bewegung einem Keinen Schritt weiter vorziehen, einfach um einen Abstand zu den Zweibeinern zu bekommen, damit sich diese Rasse eben auch ein wenig anders anfühlt ...
Bei mir ist das so, dass die Geflügelten zwar auch im Verdacht stehen, nicht natürlich zu sein, allerdings haben sie eine eigene Lange Kultur, leben in Bäumen, beten durch den Flug und wurden wegen ihrer Flügel vor einigen Jahrhunderten noch von Zweibeinern gejagt. Was ihre Kultur sehr beeinflusst hat ect
So ist es für den amputierten Geflügelten ein Schock in den Metaphern der Zweibeiner zu denken und sich auch noch in eine Zweibeinerin zu verlieben. Obwohl die Sprache an sich nicht so das Problem ist, es gibt inzwischen Handelsbeziehungen und sie lernen Sprachen schnell (wie eben gewisse Vögel gut nachahmen können), so sind sie bei mir eben eher menschliche Vögel und nicht Menschen mit Gimmick.

Zitat :
Das bringt mich auch gleich zum nächsten Problem, dass dabei auftaucht. Besonders in der Fantasy ist es ja oft so, dass die Sprache die wir als 'Deutsch' lesen ja eigentlich eine absolut andere Sprache ist und damit mehr oder weniger für uns als Leser vom Autor übersetzt wurde (sehr meta, ich weiß, aber ich finde interessant Fantasy-Literatur mit dieser Prämisse zu betrachten ...).
Finde ich auch ein super interessantes Thema! Übersetzung und passt auch Klasse zum Romananfang von Dorian Grey bei den Romananfängen unter der Lupe. Für mich bedeutet eben eine gute "Übersetzung", dass ein anderes Sprachgefühl aufkommt, wenn die Welt eben nicht die unsere ist. Was mir beim Gestaltwanderer eine Menge haue einbringt mr.green

Zitat :
Wie viel kann und, vor allem, soll man dann die sprachlichen Muster verändern, wenn man aus der Perspektive eines fantastischen Wesens schreibt? Ich bin ja selbst der festen Überzeugung es ist wirklich wichtig, dass man es tut. Zu viel davon lässt aber alles holprig und künstlich wirken und macht beim Lesen keinen Spaß. Zu wenig (und ich glaube da bin ich selbst gern Opfer davon), und die Charaktere und die Welt wirken nicht mehr andersartig genug, um glaubhaft zu sein.
Ja, die Liebe Balance, ich denke das kann man immer nur konkret an einzelnen Texten erarbeiten. Aber in deR fantasy haben wir ja oft noch andere Schnittstellen die Abgebildet werden müssen, also nicht nur ein Volk, sondenr eben wenn Völker aufeinandertreffen, läuft da alles geglättet durch die Übersetzung auf einer Sprachebene ab? Das wäre wohl schade und auch nicht gut übersetzt.

Zitat :
Um das noch etwas weiter zu spinnen Ich persönlich sehe da noch ein weiteres Problem (und jetzt pinsle ich wirklich absichtlich den Teufel an die Wand): Wie viel 'Fantasy-Wörter' soll man in solchen Geschichten einbauen? Oder, sollte man nicht doch besser gleich immer ein Fantasy-Wort nehmen, dass in einem Glossar erklärt ist, bevor man die Erzählsprache verknotet, nur um die Charaktere krampfhaft anders sprechen zu lassen? Ich finde ja das kann unmöglich funktionieren (Außer man hat ein R. R. im Namen Wink ). Aber ganz Objektiv, wäre das trotzdem authentischer, als unsere Sprache krampfhaft an die ausdrucksweise fantastische Wesen anzugleichen ...
Wirklich? Was ist mit Menschen, die andere Sprachen sprechen, dürfen die das auch erst, wenn sie perfekt sind? Und mit unserer Sprache ist es ja nicht getan. Ob meine Sprache deine ist? Ich denke übe die Fremden Völker kommt man sich selber auch näher, die Feinheiten, Nord und Süddeutsche, lokale Wörter, die immer mal auftauchen und auch grammatische Eigenheiten. Das ist ja nicht auf die Fantasy beschränkt.
Ich kenne auch dne Anspruch aus einem anderne Forum. Nur Dialoge dürfen gefärbt sein, alles andere in nüchternem Hochdeutsch bitte. Wo ich sage ... Nö. Ist mir zu eingeschränkt, wie bei der Perspektive. vcheerful

Zitat :
Vielleicht zum Abschluss ein nicht ganz so abgehobenes Beispiel: Als jemand der viel mit Englisch zu tun hat (mittlerweile fast mehr als mit Deutsch, um ehrlich zu sein), sehe ich das Problem ja schon in den Übersetzungen ins Deutsche. Die Kultur von Deutschen und Engländern ist jetzt ehrlich nicht sooo weit auseinander, aber sprachlich liegen in eingen Fällen doch Welten zwischen uns. Gerade bei Flüchen ist das ganz stark zu bemerken, wenn man ein Buch im englischen Original und der deutschen Übersetzung liest. Deutsch hat Beispielsweise stärkere Fekal-Flüche, wogegen Englisch eher Genital-/Sexual-Flüche hat. Ein englisches 'fuck' ist unmöglich ins Deutsche als 'fick' zu übersetzen ohne lachhaft im Kontext zu klingen.
Hmm, nimmst du das Fick dich! dazu bist du wieder im Lot. Daswäre dann eben die Englische note, die uns Fremd vorkommt, aber nicht unverständlich.
Klar, es gibt riesen Unterschiede, aber im Grunde ist die Deutsche Sprache so unendlich reich, das ich nicht finde, das man nciht ganz dicht am Original bleiben kann, klar, irgendwann hörts auf gerade mit der Lautmalerrei, wenn mit deR meldodie gearbeitet wird ... Aber ... nix was man nciht hinkriegen würde.
Die Frage ist dann nur, ob man zum Beispiel die Sprichwörter so lässt oder versucht was deutsches zu finden. Da bin ich für Übersetzen und so lassen, eben als Zeichen der anderen Welt. Eben weiter es regnet Hunde und Katzen und nicht es regnet Bindfäden. z.B.

Zitat :
Das nur als Denkanstoß, wie weit wir dieses Konzept in der Fantasy beachten sollen, wenn wir aus der Sicht fantastischer Wesen mit fantastischen Sprachen schreiben ...

P.S.: das ganze sind nur Denkanstöße und damit keinesfalls hieb und stichfeste Argumente. Nur ein paar verworrene Gedankenstränge die ich mal schnell niedergetippt habe.
Gilt auch für mich. Schnell geantwortet und viel Spaß beim Denken gehabt. Verstehe meine Anmerkungen als weitere Seite, nicht Gegenseite, auch wenn ich zu solchen Formulierungen neige pale

Vielleicht morgen mehr ....

Liebe Grüße!!!

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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   07.10.14 11:26


Hallo Ihr,

Irfan schrieb:
Vielleicht zum Abschluss ein nicht ganz so abgehobenes Beispiel: Als jemand der viel mit Englisch zu tun hat (mittlerweile fast mehr als mit Deutsch, um ehrlich zu sein), sehe ich das Problem ja schon in den Übersetzungen ins Deutsche. Die Kultur von Deutschen und Engländern ist jetzt ehrlich nicht sooo weit auseinander, aber sprachlich liegen in eingen Fällen doch Welten zwischen uns. Gerade bei Flüchen ist das ganz stark zu bemerken, wenn man ein Buch im englischen Original und der deutschen Übersetzung liest. Deutsch hat Beispielsweise stärkere Fekal-Flüche, wogegen Englisch eher Genital-/Sexual-Flüche hat. Ein englisches 'fuck' ist unmöglich ins Deutsche als 'fick' zu übersetzen ohne lachhaft im Kontext zu klingen.

Wolfsspur schrieb:
Hmm, nimmst du das Fick dich! dazu bist du wieder im Lot. Daswäre dann eben die Englische note, die uns Fremd vorkommt, aber nicht unverständlich.
Klar, es gibt riesen Unterschiede, aber im Grunde ist die Deutsche Sprache so unendlich reich, das ich nicht finde, das man nciht ganz dicht am Original bleiben kann, klar, irgendwann hörts auf gerade mit der Lautmalerrei, wenn mit deR meldodie gearbeitet wird ... Aber ... nix was man nciht hinkriegen würde.
Die Frage ist dann nur, ob man zum Beispiel die Sprichwörter so lässt oder versucht was deutsches zu finden. Da bin ich für Übersetzen und so lassen, eben als Zeichen der anderen Welt. Eben weiter es regnet Hunde und Katzen und nicht es regnet Bindfäden. z.B.

Gerade Sprichwörter sind meiner Meinung nach eine perfekte Möglichkeit, um eben die Unterschiede zwischen den Welten, Reichen, Rassen oder wie auch immer aufzuzeigen. Und genau deshalb habe ich da (und es wird nicht bei dem einen bleiben bei den Hunters mr.green ) auch eine Szene bei meinen Hunters mit reingenommen, in der sich zwei Paras über ein irisches Sprichwort unterhalten. Ich habe erst überlegt, ob ich es hier als Beispiel wirklich einstellen soll, weil es für einige, die bis zu dieser Stelle noch nicht gelesen haben, es ein wenig spoilert, habe mich dann aber doch dafür entschieden, weil ich eben finde, es passt zu gut zu diesem Thema und zeigt ganz gut auf, wie man mit den Unterschieden in Sprache, Denken, Auffassungen etc innerhalb der Geschichte arbeiten kann. Bei der Szene handelt es sich bei einer der beiden Paras um die von mir zuvor schon erwähnte Figur, die erst rund 350 Jahre in der Anderswelt lebte und jetzt seit etwa 100 Jahren unter den Menschen unerkannt lebt. Dieser Para sitzt mit seiner Fürstin, die bis dato sehr viel weniger Umgang mit Menschen hatte, gemeinsam beim Frühstück.


Auszug aus Kapitel 11:

»Was Butter und Whiskey nicht heilen, dafür gibt es keine Heilung«, murmelte Ailig, und strich sich etwas von der goldgelben Butter auf den noch warmen Toast. Manchmal beneidete er die Menschen dafür, wie einfach sie sich alles machten.
»Bitte?« Cecila ließ die Gabel mit Räucherhering sinken und blickte ihn fragend an.
Er schüttelte den Kopf, als könne er sich so von dem Unbehagen, das Cecilas Wunsch eines gemeinsamen Frühstücks in ihm ausgelöste hatte, befreien. Was natürlich misslang. Aber wie oft wurde man von seiner Fürstin schon zum Frühstück gebeten, anstatt des üblichen Rapports? Nie, lautete die korrekte Antwort. Denn das Hofzeremoniell gestattete nun einmal ausschließlich dem Adel einen Platz am Tisch der Fürstenfamilie. Ein Jäger - selbst wenn es sich dabei um einen Shadowshaper handelte – an der Fürstentafel, bedeutete für den Hof einen nicht wieder gut zu machenden Affront. Er wollte sich gar nicht ausmalen, was Fürst Darcundor zu dieser Ungeheuerlichkeit sagen würde.
»Was Butter und Whiskey nicht heilen, dafür gibt es keine Heilung«, wiederholte er. »Eine Redewendung der Menschen.«
Ärger und Unverständnis schlugen Ailig wie eine zornige Sturmböe entgegen, obwohl Cecila äußerlich völlig ruhig und ausgeglichen wirkte. »Danken wir Dagda dafür, dass Michael O’Hara wenigsten in dieser Hinsicht vernünftig genug war, sich bei seinem Streifschuss auf sein Magiewissen und nicht einen solchen Unsinn zu verlassen. Ganz im Gegensatz zu dieser Idee, sich in seinem Zustand den Suchtrupps anzuschließen. Konnte Duncan ihm das denn nicht ausreden?«

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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   07.10.14 17:55

Oh ja, schöne Szene!
Wo ein menschliches Sprichwort die Hauptrolle spielt und daran sich zwei Para-Charaktere reiben.

Dann will ich auch nochmal ein Beispiel bringen. Mein Geflügelter hat seine Flügel verloren. Blaira ist ein Menschenmädchen,dass sich um ihn kümmert.

Die Tage fanden in einen neuen Rhythmus und es war, als sei die Luft eine andere geworden. Tage des Wartens, ein Dämmern in Fieberwinden von Steigen und Fallen - er fand die Strömung nicht, doch sie, mit ihrem langen Haar, hielt seine Hand, so dass er nicht verloren ging.
Unsichere Schritte, Muskeln, die sich beinahe furchtsam unpraktizierbarer Bewegung annahmen, Balance zu finden, wo keine war. Und eines Morgens erwachte er, auf dem Rücken liegend.
„Nun bist du also ein Mensch“, sagte Evan zu sich selbst und griff sich einen Apfel von der Truhe neben dem Bett. Der Geschmack war frisch, wie gerade vom Baum gepflückt. Die Schp'tar verstand es wohl, ihre Kraft auch zu solch’ banalen Dingen einzusetzen, wie dem Konservieren von Obst.
Lenah war in der Küche. Er hörte sie mit ihren Hühnern sprechen und er nahm an, es war Geschirr das klapperte, sie wusch ab.
Ein anderes Geräusch - war Blaira gekommen? Nein, der schneebeschwerte Baum vor seinem Fenster spielte ihm diesen Streich. Der Schmerz ebbte ab und ließ dem Grübeln weiten Raum, ihn umherzutreiben. Seine Gedanken überflogen die Bilder von der Suche nach ihm –da war ein Bote, der seinem Verband mitteilte, er war nicht angekommen.
Sein Bruder Reb würde glauben, er habe sich verflogen. Und Halamon? Halamon würde entweder überhaupt nicht wahrnehmen, dass er verschwunden war oder in die höchste Baumkrone fliegen, um zu weinen. Er war immer auf seine Weise hellsichtig gewesen und nicht ganz der Abfolge von Sonnenaufgängen verpflichtet. Wusste sein jüngster Bruder, was ihm zugestoßen war?
Mutter würde schweigen und die Tochter vermissen, die er nun nicht in den Verband führen würde, einmal die Dirreh im Rat zu vertreten.
Wie lange würde es dauern, bis seine Mutter sich die Trauermale in ihre Unterarme ritzte und sich für drei Tage unter seinen Geburtsbaum setzte, die Flügel ausgebreitet wie ein verwundeter Adler? Und sein Vater würde sich die Haut schwarz färben und Tränen der Verlassenheit vergießen, dass sich graue Furchen bildeten in der Maske. Und alle Verwandten würden ihre Türen öffnen und zusammentragen, was es über ihn zusammenzutragen gab, um sich seiner zu erinnern und danach würde niemand mehr seinen Namen aussprechen, außer im Gebet.
Aber es war besser für sie alle, wenn sie nicht erfuhren was mit ihm geschehen war. Wenn sich am Himmel Flügel zeigten, würden sie immer hoffen und in ihren Gebeten, in ihren Gebeten lebte er für Gott weiter.
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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   07.10.14 18:20


Ja, eine wirklich sehr schöne Szene von Evan, die du da rausgesucht hast. applaus Denn sie zeigt meiner Meinung nach gut auf, wie schön selbstverständlich hier die Sprache der Geflügelten mit einfließt. Kein bißchen aufdringlich oder wie unbedingt gewollt wirkend. Genau so sollte das in meinen Augen sein.

Zu der Whiskey und Butter Sprichwortszene, gibt es in meiner neuen Version jetzt im Übrigen auch den entsprechenden Gegenblick. Ein winziger Ausschnitt aus einer Szene, wo Cat zum ersten Mal Liam, den Sidhefürsten auf der Galerie entdeckt. Ihr Gedankengang ist typisch für einen Menschen/Iren und sie nimmt fast automatisch an, dass dieser Gedankengang stimmt, obwohl das bei einem Sidhe, der gar nicht in Irland aufgewachsen ist und nur mit wenigen Menschen Kontakt hat, eigentlich ziemlich ausgeschlossen sein sollte, da sein Volk sich in fast allem von den Bräuchen und Sitten der Iren unterscheiden.

Auszug aus K6:

Sie beobachtete, wie der Sidhe mit eleganten, bedächtigen Schritten auf der Galerie entlang spazierte und dabei die Finger seiner linken Hand über das Geländer gleiten ließ. In seiner Rechten hielt er … ein Zepter? Nein, ein Shillelagh. Der Fürst der Sidhes besaß einen irischen Kampfstock? Ob er ihn, wie es die Tradition forderte, selbst hergestellt hatte? Die Vorstellung, wie Parker vollkommen fokussiert an einem Schwarzdornast schnitzte, ihn dann mit Whiskey und Butter einrieb, und diesen dann räucherte bis er glänzte wie schwarzes Gold, gelang ihr erschreckend gut.


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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   07.10.14 21:16

Oh, sehr schön! Das gibt dem Spruch noch mehr Tiefe! Das mag ich sehr, wenn Szenen einander verstärken, was wieder gut zu dem Szenen streichen, die nicht Plotrelevant sind berührt. mr.green
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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   07.10.14 21:22


grins Ja, ein sehr gutes Beispiel für Nicht-Plotrelevante Szenen. Und um solch eine handelt es sich hier tatsächlich. Aber egal wie relevant oder nicht relevant, rausnehmen würde ich diese Szene ganz gewiss nicht mehr, dafür gefällt sie mir viel zu gut.
Und die Kurzbeschreibung über die traditionelle Herstellung eines Shillelagh ist im Übrigen nicht von mir ausgedacht, sondern tatsächlich so. Inklusiv der Butter und dem Whiskey. Da musste ich das doch einfach mit reinnehmen. Ja

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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   07.10.14 21:29

Hallo ihr alle,

So, dann bringe ich mich auch mal mit einem Beispiel ein, aber von mir mal keine Textpassage, sondern mehr etwas aus dem Weltenbauer Ansatz, womit ich mich ja selbst ganz gern auseinandersetze. Deshalb ist es vielleicht auch nicht so ganz passend, aber mich würde trotzdem interessieren wie die Idee des Andaglar (jetz auch mit Konkretem Beispiel dahinter), auf andere wirkt. Besonders unsicher bin ich mir da, ob es nicht unnötig (erzwungen) kompliziert ist. Das Beispiel ist ein Lied, das von einigen Stämmen der Andvari gesungen wird.

Das war im Grunde ein Versuch zu sehen wie eine Rasse die 'geschriebene' Magie verwendet, mit Sprache umgeht, wenn es für sie ganz logisch ist 'Schriftzeichen' zu einem Siegel zu verbinden, das dann aus diesen einzelnen Glyphen einen Effekt erzeugt. Im Großen und Ganzen war es also kaum mehr als eine Spielerei für mich, um mir das "Andaglar" irgendwie als Konzept vorstellen zu können und nicht immer nur stur Wörter zu substituieren.

Für alle die vielleicht mal meinen Prolog angelesen haben ... das ist dieses ominöse "poetische Andaglar" das Kiva/Shyoran verwendet um Kamuels Namen zu kreieren. Und auch die Erklärung warum Andvari und Andvariel so heißen wie sie heißen.

Das Beispiel selbst stammt von einem Stamm (na ja acht Stämmen um genau zu sein ...) Andvari. Die lebten eigentlich Mal in einer großen Wüste, sind aber dann, über einige Umwege vor den Andvariel (den Geflügelten) geflohen. Jetzt haben sie sich in den Wäldern angesiedelt und Verbergen sich seit Langer Zeit schon dort. Hier also das Lied/Gedicht, das von diesem Ereignis erzählt:

Valorana (Wanderer)

Setia daedra Silado Iniako
Solamen Telivar Isam Avisannavri

Tobikas Adivari Shea Ridiabiosi
Eritami Nadamen Setim Inanda

Setia daedra Deniumal Saelor
Solamen aglevae Isam dresannavri

Vafinolia Soviavar Shea Erantolsi
Seravila Nadamen Edioki Kilanda

______________________________________________________________

Die Erklärung, wie ich sie hier poste, wird natürlich nie ganz so im Text vorkommen. Auszüge dieses Liedes kommen aber schon vor.

Entschuldigt bitte die schlechte Formatierung ... das war wirklich nie für ein Posting gedacht, würde mich nur irgendwie interessieren was ihr von dieser ganzen Idee haltet.

Das Lied besteht also aus zwei Teilen zu je zwei Strophen mit zwei Zeilen. Jede Zeile ist auch zwei Poetischen Fragen aufgebaut. Eine solche 'poetische Frage' stelle ich mir ein wenig wie ein Versmaß vor. Das ist einfach eine Regel und wenn man diese Regel kennt 'versteht' man das Lied. Jede Poetische Frage wir mit zwei Glyphen-Paaren angezeigt.

Im Lied gibt es nur zwei poetische Fragen:
(1) Etwas (=1. Glyphe) ist wie/wo/warum/wann passiert (=2. Glyphe)?
(2) Wie ist (=1. Glyphe) etwas (=2. Glyphe)

Das Lied selbst ist so Angeordnet

(erster Teil)
1 / 2 / 2 / 1
2 / 1 / 1 / 1
(zweiter Teil)
1 / 2 / 2 / 1
2 / 1 / 1 / 1

Als Beispiel die Erste Zeile:

Setia daedra Silado Iniako

Besteht aus den Fragen

Setia (Etwas --> 1(dieZahl) + Ruf ) daedra (ist wie/wo/warum/wann passiert --> Dunkelheit+Nacht)
Was "Ein Ruf in Dunkler nacht" ergibt.

Silado (Wie --> Kälte+Leere) Iniako (ist etwas --> Wüste+Meer)
und hier: "In diesem kalten, leeren Wüstenmeer"

Und das lässt sich dann so für beide Teile runterbrechen:

(Erster Teil des Liedes):

Poetisches Andaglar (Aussprache und Anordnung der Schriftzeichen-Gruppen —> Strophen)
Setia daedra
Silado Iniako
Solamen Telivar
Isam Avisannavri
Tobikas Adivari
Shea Ridiabiosi
Eritami Nadamen
Setim Inanda

Erklärung:

(Erklärung der graphischen Schriftzeichenkombinationen ‚/‚ Trennt Zeichengruppen)
Erleuterung der poetischen Frage

Setia daedra (1(Zahl)+Ruf / Dunkelheit+Nacht)
Etwas ist wie/wo/warum/wann passiert?

Silado Iniako (Kälte+Leere / Wüste+Meer)
Wie ist etwas?


Solamen Telivar (Stimmen+Götter / Verlgeichsanzeiger+Trubild)
Wie ist etwas?
+
Isam Avisannavri (Vergessen / Worte+ Silber+Himmel)
Etwas ist wie/wo/warum/wann passiert?


Tobikas Adivari (Schwach+Strahlen/ Hoffnung+Volk)
Wie ist etwas?
+
Shea Ridiabiosi (Verlust / Wallend+Schatten+Zeit)
Etwas ist wie/wo/warum/wann passiert?


Eritami Nadamen (Gruppe+Einheit / Land+Götter)
Etwas ist wie/wo/warum/wann passiert?
+
Setim Inanda (Anzahl+Illusion / Wüste+Licht)
Etwas ist wie/wo/warum/wann passiert?

Literarisches Andaglar (Interpretation)
Sen Tia is draenen Drava
Is denaem silana, dolena Inianakosa
Den Solame dan Amenan ter Livarianen
Isamaeran den Avina dan sannaeren Avriti
Tobiare kastant den Adissior sid Variem
Sheantal is dun ridiannan Abiorana dan Siva
Era itanse mifiria ir Nadi dan Amenan
Sena Timentar is dan Inan sed Andar


Übersetzung:
Ein Ruf in dunkler Nacht
In diesem kalten, leeren Wüstenmeer
Die Stimmen der Götter wie Trugbilder
Vergessen die Worte der silbernen Himmel
Schwach strahlt die Hoffnung des Volkes
verloren in den wallenden Schatten der Zeit
Wir stehen vereint im Land der Götter
Eine Illusion in der Wüste des Lichts.

______________________________________________________________

(Zweiter Teil des Liedes):

Poetisch/Graphisch
Setia daedra
Deniumal Saelor
Solamen aglevae
Isam dresannavri
Vafinolia Soviavar
Shea Erantolsi
Seravila Nadamen
Edioki Kilanda

Erklärung:
Erläuterung der Poetischen Frage
(Erklärung der graphischen Schriftzeichenkombinationen ‚/‚ Trennt Zeichengruppen)

Setia daedra (1(Zahl)+Ruf / Dunkelheit+Nacht)
Etwas ist wie/wo/warum/wann passiert?

Deniumal Saelor (Hitze+Feuchtigkeit / Wald+Reich)
Wie ist etwas?


Solamen aglevae (Stimmen+Götter /Schweigsamkeit+Dieser Moment)
Wie ist etwas?

Isam dresannavri (Vergessen / Nacht+Silber+Himmel)
Etwas ist wie/wo/warum/wann passiert?


Vafinolia Soviavar (Bleich+‚VerliertFarbe’/ Erinnerung+Volk)
Wie ist etwas?

Shea Erantolsi (Verlust / Endlosigkeit+Mahlstrom+Zeit)
Etwas ist wie/wo/warum/wann passiert?


Seravila Nadamen (Flucht+Einheit /Land+Götter)
Etwas ist wie/wo/warum/wann passiert?

Edioki Kilanda (Einheit(Wir)+Loslösung / Wahnsinn+Licht)
Etwas ist wie/wo/warum/wann passiert?

Literarisches Andaglar (Interpretation)
Sen Tia is draenen Drava
Is denaem iulana, malonana Saelloran
Den Solame dan Amenan aglerisam vae
Isamaeran den Dreven dan sannaeren Avriti
Vadael finoliant den Soviarenta karanen Variem
Sheantal ir eraneias Tola dan Siva
Sel era vilahe tel sen Nadi dan Amenan
Diorasin era sen Kilamir sed Andar ki



Übersetzung:
Ein Ruf in dunkler Nacht
In diesem heißen, feuchten Waldreich
Die Stimmen der Götter schweigen nun
Vergessen die Nächte der silbernen Himmel
Bleich verblasst die Erinnerung unseres Volkes
Verloren im endlosen Fron der Zeit
Als wir aus dem Land der Götter flohen,
Schworen wir dem Wahn des Lichts ab

________________________________________________________________


So ... das ist wie gesagt nur eine Spielerei  von mir. Und ehrlich gesagt *wirklich* nur mal eine rein konzeptionelle Sache ... Aber gerade so etwas überlege ich mir gern, wenn ich mir meine "Rassen" ausdenke, um vielleicht etwas mehr Gefühl dafür zu bekommen was in ihrer eigenen Sprache und Kultur vor sich geht. Das war mir eben besonders bei den Andvari und Andvariel doch ein wichtiges anliegen, weil bei denen Sprache und Schrift auch Magie 'bestimmt' und sie sich dadurch auch stark definieren ...

lg,
Irfan
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BeitragThema: Re: Wie prägt die Herkunft eines Charakters seine Sprache?   09.10.14 8:06

Sehr schön!
Ich verneige mich vor solcher Weltenbastelei richtig in die Tiefe. Glyphen und dann die Literarische Übersetzung gefällt mir sehr gut! Lässt sich auch gut aussprechen und sieht wie eine Einheit aus.
Für mich wäre das dann zu viel Arbeit hinaus aus dem Text. Ich bin da dann doch eher Geschichten als weltorientiert.
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