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 Peerfeedback - Die etwas andere Art von Kritik

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November



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BeitragThema: Peerfeedback - Die etwas andere Art von Kritik   16.11.13 13:11


In der Ausgabe 1/2010 des Literaturmagazins TextArt stellte die Autorin und Schreibberaterin Sabine Staub-Kollera die Methode des Peerfeedback vor. Diese Methode soll verhindern, dass sich der Kritisierte als schlechter Schreiber fühlt. Es soll motivieren, statt zu demotivieren - wie es manchmal bei normaler Kritik der Fall ist.

Wie funktioniert Peerfeedback?

Der Autor sollte zunächst immer eine genaue Anweisung geben, worauf der Kommentator achten sollte (z. B. Aufbau/Logik/Widerholungen/Charaktere). Je präziser, desto befriedigender wird das Feedback sein.
Auch sollte nicht alles auf einmal abgefordert werden, sondern in mehreren Durchgängen (aber in der richtigen Reihenfolge – vom Groben zur Feinarbeit). Dadurch kann sich der Autor Stück für Stück vorarbeiten und muss nicht alles auf einmal bewältigen. Das erleichtert die Überarbeitung.

Der Kommentator liest nun den Text und kennzeichnet das, was ihm auffällt mit Ausrufezeichen und Fragezeichen.

1 Ausrufezeichen = gut gefallen
2 Ausrufezeichen = sehr gut gefallen

1 Fragezeichen = nicht verstanden
2 Fragezeichen = völlig unklar

WICHTIG: Es werden maximal zwei Mal Ausrufezeichen und zwei Mal Fragezeichen pro Text (bei längeren Texten auf etwa 2-3 Seiten) vergeben. Dadurch bleibt die Konzentration auf den wichtisten Stellen.

Kommentar: (Der Autor sollte nur zuhören – eine Diskusion vermieden werden, denn dadurch werden Autor und Kommentator in Rechtfertigungszwang gedrängt.)

Der Kommentar sollte am Anfang immer eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes sein. Dadurch weiß der Autor, ob der Text vom Leser verstanden wurde.
Auch sollte ein Kommentar immer mit dem Positiven beginnen.

Danach werden die Anmerkungen erläutert. Auch hier wieder mit dem Positiven anfangen. Die Formulierungen sollten in der Ich-Form sein, denn das spiegelt die persönliche Meinung wieder.

Der Kommentator teilt dem Autor nur seine Beobachtungen mit. Er wertet nicht und dadurch wird der Autor nicht „gezwungen“, etwas zu ändern, sondern fühlt sich freier, zu entscheiden, ob er mit dem Übereinstimmt, oder nicht.


Wie bleibt man als Kommentator in einer neutralen Position?

1. Fragen, statt festzustellen

Wird die Beobachtung als Frage formuliert, statt als Feststellung, zeigt man dem Autor, dass man nicht der Experte für den fremden Text ist.

2. Wahrnehmen, statt zu interpretieren

Man zeigt dem Leser, wie der Text angekommen ist, statt seine Meinung auszudrücken und eigene Ideen auszudrücken.

Also nicht: Mir gefällt nicht, dass dein Prot hier so ängstlich reagiert. Mir gefällt es besser, wenn sie auf den Tisch hauen würde

Sondern: Hier ist dein Prot widersprüchlich. Sie ist sonst nicht so ängstlich.

3. Vorwegnehmen, statt vorzuschreiben

Bei zweideutigen Stellen verschiedene Lesarten anbieten.
(Meinst du hier … ?)

Wichtig ist hierbei, wie bei jeder anderen Methode auch, dass ihr als Autor  noch einmal bei euerm Kritiker nachfragt, falls euch etwas unklar ist, oder wenn euch das Feedback nicht weiterbringt.  

Das Peerfeedback ist wahrscheinlich für beide Parteien ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber probiert es doch einfach mal aus. Gerade bei Schreibanfängern oder auch in der Rohfassungsphase kann diese Methode wirklich vorteilhaft sein.
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BeitragThema: Re: Peerfeedback - Die etwas andere Art von Kritik   16.11.13 19:32

Hallo November

Danke für diesen spannenden Artikel.cheers  Hast du das im Internet gefunden, oder kaufst du TextArt auch?
Hast du das selbst schon angewendet?

Zitat :
In der Ausgabe 1/2010 des Literaturmagazins TextArt stellte die Autorin und Schreibberaterin Sabine Staub-Kollera die Methode des Peerfeedback vor. Diese Methode soll verhindern, dass sich der Kritisierte als schlechter Schreiber fühlt. Es soll motivieren, statt zu demotivieren - wie es manchmal bei normaler Kritik der Fall ist.
Hmmm. Ich hab mir das jetzt durchgelesen und frage mich, ob das wirklich was bringt. Sagen wir mal Schreibanfänger klassisch mit Ambitionen am besten morgen ein Buch veröffentlichen zu wollen. Man bringt drei Kritikpunkte an und lobt viel. Super! Dann müsste es aber eine zweite Runde geben oder nicht und eine dritte ... Und letztendlich ist wieder das Gefühl da, man ist eben noch nicht soweit, wie man gerne wäre ... Da frage ich mich immer. Ja, lohnt sich das Träume zu zerstören, oder soll ich das den Verlagen überlassen (So es nicht nur um Geschmacksfragen geht, sondern echte Fehler von Rechtschreibung, Grammatik bis Logikfehler, bis eben zum Vergleich mit anderen Büchern um nach den Marktchancen zu fragen ... ).
Also ich kommentiere Texte nicht erst seit gestern oder hier. Aus meiner ... zehnjährigen Interneterfahrung kann ich sagen, dass die die weiterkommen, einen eigenen Stil entwickeln, ihre Geschichten fertig schreiben, sich der Kritik bedienen, so wie sie nur gemeint sein kann, als einer Arbeitsgrundlage, um an das "Geheimnis Leser" rann zukommen. Sie benutzen es wie eine Lupe, finden Kritik spannend, auch wenn letztenendes nichts im Text landet. Weil auch begründet nein zu einer Anmerkung zu sagen, einem sehr viel bringt.

Und dann ist das ja auch eine Frage der Zeitaufwendung. Wirklich einen Text ... fünf mal, zehn mal durchsehen. Und derjenige, arbeitet dann auch genausooft durch ...

Aber was ich ganz wichtige Finde ist der Name Gleichrangiges Feedback. Der Kritiker ist ein Kollege. Hier sogar nur Hobbykollege. Ich verstehe einfach nicht, wie man das überhaupt so sehen kann, dass man etwas verändern muss, nur weil jemand etwas Kritisiert oder anders sieht. Es ist eine Meinung, eine andere Stimme, die einen darüber nachdenken lassen soll über den Text, durch Hinzunahme eines zweiten Hirns, eine anderen Blickwinkels. Ja, Selbstzweifel können dadurch immens gefüttert werden, ebenso wie ... Größenwahn durch Lob. Aber das sind die grundsätzlichen Risiken und Nebenwirkungen, wenn man mit anderen Menschen interagiert und wissen will, was meinst du?

Ansonsten, ja ein großes Problem, dass Kritik demotiviert. Denn das soll sie ja nicht. Ich arbeite sehr gerne mit anderen zusammen und so sehe ich das. Es ist ein zusammen arbeiten bei einer sonst recht einsamen Angelegenheit.


Zitat :
Wie funktioniert Peerfeedback?

Der Autor sollte zunächst immer eine genaue Anweisung geben, worauf der Kommentator achten sollte (z. B. Aufbau/Logik/Widerholungen/Charaktere). Je präziser, desto befriedigender wird das Feedback sein.
Nein, nicht unbedingt. Denn wenn das was er nachfragt nicht stimmt, dann ist es trotzdem doof, tuts weh, wenn der Leser die Figur nicht ebenso liebt wie man selbst. Da gibts keinen Weg dran vorbei, damit zurecht zu kommen, dass Kritik eben wehtut und sich zu fragen, was will ich eigentlich mit Kritik?

Und ja, das würde ich mir hier auch wünschen. Dass man seinen Text einstellt und sich überhaupt Gedanken macht, was will ich eigentlich nun von meinem Kommentator? Wenn man nur Fans sucht, der einfach eine Geschichte lesen will, dann soll man das auch sagen und sich auch die entsprechende Stelle suchen, wo man das macht.


Zitat :
Auch sollte nicht alles auf einmal abgefordert werden, sondern in mehreren Durchgängen (aber in der richtigen Reihenfolge – vom Groben zur Feinarbeit). Dadurch kann sich der Autor Stück für Stück vorarbeiten und muss nicht alles auf einmal bewältigen. Das erleichtert die Überarbeitung.
Find ich eben nicht. Ab dem wievielten Durchgang hat man denn keinen Bock mehr auf die Szene? Eben wenn viel nicht stimmt und wie oft ist schnell verbessert und dann passt es insgesamt nicht mehr. Es erleichtert die Überarbeitung nachzudenken und sich auseinanderzusetzen.
Dieses öh, ja Danke, ich verbesser jetzt. Das bringt gar nichts. Das sieht man dann eben auch beim nächsten Text, wo sich nichts geändert hat. Ob es die leidige Rechtschreibung ist, die immer noch egal ist, oder sonstiges. Die Kritik würde angenommen, aber nur weil man eben dem Kritiker einfach mal so recht gegeben hat, aus welchen Gründen auch immer.
Meist, weil man irgendwie möchte, dass der Text ... gemocht wird, nicht weil man sich handwerklich oder künstlerisch für etwas entschieden hat. Und das ist grundfalsch!

Zitat :
Der Kommentator liest nun den Text und kennzeichnet das, was ihm auffällt mit Ausrufezeichen und Fragezeichen.

1 Ausrufezeichen = gut gefallen
2 Ausrufezeichen = sehr gut gefallen

1 Fragezeichen = nicht verstanden
2 Fragezeichen = völlig unklar

WICHTIG: Es werden maximal zwei Mal Ausrufezeichen und zwei Mal Fragezeichen pro Text (bei längeren Texten auf etwa 2-3 Seiten) vergeben. Dadurch bleibt die Konzentration auf den wichtisten Stellen.
Öh, ja, so kann man Leute auch zum Nachdenken zwingen, man macht einfach ein Fragezeichen und der Autor muss sich dann selber denken, wieso wohl. Interessante Idee. Aber ob es Anfängern so hilft ...
Zitat :

Kommentar: (Der Autor sollte nur zuhören – eine Diskusion vermieden werden, denn dadurch werden Autor und Kommentator in Rechtfertigungszwang gedrängt.)
Und das finde ich eben grundfalsch. Durch die Diskussion lernt man doch, was und wieso seht der andere das so. Wie und wieso sehe ich das. Nur so kann ich auch als Kritiker vom Kritisierten LErnen, wenn ich seine Entscheidung verstehen lernen, denn eben bei einem gleichberechtigten Arbeiten, geht das nicht nur in die eine Richtung, sondern eben in beide. Meine Kritik muss nicht richtig sein oder muss nicht für diesen speziellen Text passen, dann will ich das verdammt auch wissen.
Ja, deshalb bin ich für einen Rechtfertigungszwang. Nur bei Antworten, kann ich auch besser werden, diesen Speziellen Autor und seine Ziele kennenzulernen. Als Beispiel ... Xhex und ich. Wenn man unsere Texte liest, kann man ganz leicht feststellen, dass wir uns sehr unterscheiden, dennoch profitieren wir, denke ich, immens voneinander, weil wir uns in die Ziele des jeweils anderen beim Kommentieren aneignen.

Zitat :
Der Kommentar sollte am Anfang immer eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes sein. Dadurch weiß der Autor, ob der Text vom Leser verstanden wurde.
Naja, schon das kann ja eine Katastrophe sein und echt, selbst beim miesesten Text, kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand nicht versteht, worum es geht. Wenn es schwierigkeiten gibt, sind das eben oft Kleinigkeiten (Sprecherverwechslungen, nicht durchsteigen bei Kampfhandlungen) die nun besser da auftauchen sollten, wo sie passieren ...
Zitat :


Auch sollte ein Kommentar immer mit dem Positiven beginnen.
Ja, und damit enden. Ändert trotzdem nix daran, dass Kritik wehtut.

Zitat :
Danach werden die Anmerkungen erläutert. Auch hier wieder mit dem Positiven anfangen. Die Formulierungen sollten in der Ich-Form sein, denn das spiegelt die persönliche Meinung wieder.
Was irgendwie klar sein sollte, immer oder? Muss ich Ich sagen, wenn nur "Ich" schreibt?

Zitat :
Der Kommentator teilt dem Autor nur seine Beobachtungen mit. Er wertet nicht und dadurch wird der Autor nicht „gezwungen“, etwas zu ändern, sondern fühlt sich freier, zu entscheiden, ob er mit dem Übereinstimmt, oder nicht.
Hmm. Ist das so? Ich denke, der unsichere, der der Anerkennung unbedingt will, wird eher dazu neigen alles übernehmen zu wollen, als der der seine Ziele hat und seine eigene Meinung hat.
Das sehe ich als Problem vieler im Internet. Sie wollen ihre Geschichten erzählen, das ist das spannende. Das Wie ist einfach nur lästig. Rechtschreibung ist scheiße, Konventionen, wie wie stellt man wörtliche Rede dar, unwichtig. Oft reichen Stichworte um bei eben auch besonders phantasiebegabten Menschen das Kopfkino anzuschmeißen.
Das ist sich seine Träume notieren, nicht Schriftsteller sein. Der muss, wie der Name sagt, seine Schrift stellen und zwar so, dass nicht nur die Infos rüberkommen, sondern auch die Musik, die Kameraeinstellung, der Schnitt, die Schauspielerische Leistung und dafür hat der Schriftsteller nur Worte. Wenn man sich dann nicht mit Worten auseinander setzen mag, dann wirds nunmal schwer. Und das bedeutet es für mich, nur ein zwei Sachen zu kritisieren.

Wie bleibt man als Kommentator in einer neutralen Position?
Zitat :

1. Fragen, statt festzustellen

Wird die Beobachtung als Frage formuliert, statt als Feststellung, zeigt man dem Autor, dass man nicht der Experte für den fremden Text ist.
Hmmm, Fragen können auch eine andere ... hämische Wirkung haben. Beispiel Soll sie echt so doof sein? Das ist mir irgendwie zu einfach gedacht.
Zitat :

2. Wahrnehmen, statt zu interpretieren

Man zeigt dem Leser, wie der Text angekommen ist, statt seine Meinung auszudrücken und eigene Ideen auszudrücken.

Also nicht: Mir gefällt nicht, dass dein Prot hier so ängstlich reagiert. Mir gefällt es besser, wenn sie auf den Tisch hauen würde

Sondern: Hier ist dein Prot widersprüchlich. Sie ist sonst nicht so ängstlich.
Das sind zwei völlig verschiedene Dinge!
Ersteres ist Lesermeinung. Es geht nunmal auch darum, wie man die Figuren wahrnimmt und durch die Begründung kann man eben sehen. Das gefällt demjenigen besser. Das ist doch leichter abzulehnen als alles andere: Meine Figur ist eben nciht der Typ der auf den Tisch haut. Schade, dass sie dir so nicht gefällt.

Dass die Prot widersprüchlich ist, ist etwas ganz anderes. Und dass sie sonst nicht so ängstlich war. Dass bezieht sich auf den Text vorher und die Frage, ob das wirklich so widersprüchlich ist. Also wenn sie vorher in einer ähnlichen Situation nicht so ängstlich war. Und stimmt, dass hat dann nichts mehr mit gefällt mir nicht zu tun. Aber, was wenn der Autor wissen möchte, wie seine Figur ankommt? (Was die meisten wissen wollen und dann?)

So wenig wie das Beispiel funktioniert, funktioniert das in Wirklichkeit, wenns eben nicht nur um Geschmacksfragen geht.

Zitat :
3. Vorwegnehmen, statt vorzuschreiben

Bei zweideutigen Stellen verschiedene Lesarten anbieten.
(Meinst du hier … ?)
Naja, irgendwann muss man sich auch entscheiden, den Text für voll zu nehmen. Und ist das ein Übersetzungsfehler? Vorwegnehmen? find ich nicht sehr neutral.

Zitat :
Wichtig ist hierbei, wie bei jeder anderen Methode auch, dass ihr als Autor  noch einmal bei euerm Kritiker nachfragt, falls euch etwas unklar ist, oder wenn euch das Feedback nicht weiterbringt.  
Ja, Feedback geben wäre nett. Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber ich finde die Antwort auf einen Kommentar ist meine ... Belohnung. Für mich ist das Gespräch das angestrebte Ziel. Es befriedigt mich nicht, einfach so Texte zu kritisieren, da kann ich mir besseres vorstellen. Es macht mir keinen Spaß viel zu kritisieren, viel lieber bin ich begeistert. Aber es geht immer um Entwicklung. Wieder, da wird geschrieben, ich will veröffentlichen, ich suche einen Verlag, also denke ich, jemand will arbeiten. Also biete ich ihm an, was ich habe und möchte dafür, was ich nicht habe, seine Sicht der Dinge. Vielleicht ist es da wirklich das beste möglichst viel als Fragen zu formulieren in der Hoffnung, sie mögen beantwortet werden ...

Zitat :
Das Peerfeedback ist wahrscheinlich für beide Parteien ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber probiert es doch einfach mal aus. Gerade bei Schreibanfängern oder auch in der Rohfassungsphase kann diese Methode wirklich vorteilhaft sein.
Für was? O.k. in der Rohfassungsphase kann es nur um die Frage gehen, wie ist die Geschichte, wie könnte es weitergehen ... Aber eigentlich gehört eine Rohfassung eigentlich gar nicht in fremde Hände und wenn man es selbst einmal überarbeitet hat, dann sollte es keine Rohfassung mehr sein.

Ich habe übreigens auch kaum je eine Antwort darauf bekommen, was für eine Art Kritik derjenige haben möchte. Denn das PRoblem ist ja meist, dass es der Veröffentlicher selbst nicht weiß. Meist gehts nur um die Geschichte, man möchte einen Leser, jemand, der die Geschichte toll findet und die Schwächen übersieht. Ist der gefunden, wird nicht weitergearbeitet, denn das Ziel ist ja erreicht. Gibts Kritik, wird nicht weitergearbeitet, denn man ist ja demotiviert, wird gelobt wird nicht weitergearbeitet, denn es ist ja alles toll.

Ich bin gespannt, wie ihr das seht und jeder, der hier seine Meinung hinterlässt, kann doch gleich mal einen Kommentar in dem Stil verfassen, den er sich auch von anderen wünscht, Textmaterial gibts genug hier Very Happy Vielleicht ist das hier mal eine Anleitung für diejenigen, die sich bisher wohl nicht trauen?

Liebe Grüße!
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Xhex
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BeitragThema: Re: Peerfeedback - Die etwas andere Art von Kritik   16.11.13 22:11


Habe mir jetzt den Beitrag (aber auch Wolfsspurs Antwort) jetzt mal aufmerksam durchgelesen. Und ich muss gestehen, dass ich dieser Peerfeedback-Methohe eher skeptisch gegenüber stehe. Warum? Das hat mehrere Gründe.

Wie einige von euch vielleicht wissen, setze ich mich als Schreiberin mit meinen Texten/Kapitel ziemlich intensiv auseinander, beziehungsweise auch mit den Kommentaren, die ich zu diesen Texten/Kapitel erhalte. Warum? Weil ich die Geschichte verbessern, im Bestenfall optimieren möchte.
Wenn ich mir nun vorstelle, ich erhalte z. B. zu einem meiner Kapitel der Hunters ein Kommi mit der hier beschriebenen Methode und würde im gesamten Kapitel die drei Stellen mit den ein oder zwei Fragezeichen bzw. den Ausrufezeichen vorfinden, was genau bringt mir das als Schreiber? Ich sehe zwar, dass die Stelle entsprechenden markiert wurde, aber ich weiß als Autorin nicht warum. Und geht es nicht genau darum? Was hilft es mir, wenn eine Stelle im Text markiert wurde, ich den Grund dafür aber nicht erkennen kann. Wie soll ich als Autorin dann eine Entscheidung treffen, ob der Einwand berechtigt ist; es sich vielleicht um einen Logikfehler, eine unglückliche Aussage oder Formulierung handelt, oder es sich einfach um einen unterschiedlichen Geschmack zwischen Autor und Leser handelt. Denn eines ist klar: Als Autor kann man es nicht jedem Leser recht machen. Es wird immer welche geben, denen eine Geschichte gefällt und andere, wo das eben nicht der Fall ist. Aber darum geht es in einem Kommentar ja nicht - oder sollte es zumindest nicht gehen.
Als Autorin muss ich doch bei einem Komzmentar das ich erhalte, die Möglichkeit geboten bekommen, zu erkennen und zu entscheiden, ob ich das genauso sehe oder eben vielleicht doch anders.
Ich muss wirklich gestehen, dass mir ein Kommentar, dass ich in dieser Weise erhalten würde, nicht wirklich viel bringen würde - nicht wenn ich ernsthaft daran interessiert bin, den Text selbst zu optimieren.

Mal ein Beispiel um es zu verdeutlichen (Wolfsspur möge es mir verzeiehn Twisted Evil ):

Eine meiner Figuren der Hunters ist ein ehemaliger Sicherheitschef.
Bei einen der ersten Kapitel habe ich von Wolfsspur die Anmerkung bekommen "Der ist als Sicherheitschef eine echte Katastrophe."
Würde ich jetzt dem Beispiel von Peerfeedback folgen, wäre die Stelle mit zwei ?? markiert. Und warum? scratch Keine Ahnung. Würde es mir helfen, wenn dazu noch eine Formulierung käme wie: Der würde als Sicherheitschef wirklich so reagieren?
Könnte ich als Autorin diese Frage nicht völlig falsch verstehen? Würde ich da nicht eventuell denken, na klar, genau so reagiert er, warum auch nicht?
In dieser Situation würde mir als Autorin doch gar nicht wirklich der existierende Logikfehler aufgezeigt werden, sondern ich würde doch vielmehr in dem Glauben gelassen werden, dass ein Leser von meiner Figur schlichtweg eine andere Reaktion erwartet hatte - würde das dann so ggf akzepz´tieren und den Fehler in der Geschichte belassen. Denn, mir wurde ja nicht wirklich der Fehler aufgezeigt, sondeern er wurde in eine persönliche Meinung umformuliert. Kann das eine wirklich Hilfe sein, den Text zu verbessern? ich denke nein.

Wer wirklich ernsthaft schreiben und sich damit auch auseinandersetzen möchte, dem - das ist zumindest meine Meinung - bringt diese Peerfeedmethode wenig bis gar nichts, da ich als Autorin ja verstehen möchte, warum eine gewisse Stelle nicht funktioniert; warum eine Stelle den Leser nicht abholt und er mit der Figur mitleidet oder sich freut; warum der Leser die Geschichte nach ein paar Seiten zur Seite legt und nicht weiter liest.
Wer dieses Ziel allerdings bei seinen Texten nicht hat und es ihm nur darum geht, ein paar umschmeichelnde (wenn auch nicht ehrliche) Floskeln zu seiner Geschichte zu erhaschen, der benötigt diese Peerfeedmethode meiner Meinung nach ebensowenig, da man das dann auch  mit einer Rückmeldung in Form von "Tolle Geschichte, weiter so" abhandeln kann.

_________________
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen. ~ Albert Einstein.
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BeitragThema: Re: Peerfeedback - Die etwas andere Art von Kritik   17.11.13 14:44

Hallo ihr zwei,

ich versuche mal, in einer allgemein gehaltenen Antwort auf eure angesprochenen Punkte einzugehen.

Ich persönlich halte dieses Peerfeedback nicht als DIE Lösung, aber ich glaube, die wird es in Sachen Kritik ohnehin nie geben. Schon allein deshalb, weil die Autoren und die Ansprüche (in Bezug auf die jeweilige Geschichte und den Stand des Schreibers) ganz unterschiedlich sind.

Dennoch finde ich es interessant, denn es zeigt mal einen anderen Weg, den man gehen kann.
Selbst wenn man diese Methode nicht 1:1 übernimmt, gibt es vielleicht doch Punkte oder Ansätze, die man als Kritiker zukünftig in sein Feedback einfließen lassen kann, wenn man will.

Und es geht ja bei einem Kommentar nicht darum, dem Autor möglichst alle Fehler aufzuzeigen. Man sollte viel eher herausfinden, was in dem Moment wichtig ist - was tatsächlich nützlich ist, um ihn weiter zu bringen.

Nehmen wir doch als Beispiel mal eine Rohfassung. Bei mir ist es so, dass ich in der Rohfassung mit Kritik gar nix anfangen kann, weil ich mir selbst erst einmal bewusst werden muss, wohin ich überhaupt will, ob alles so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich muss mich langsam an Geschichte und Charaktere herantasten und mir auch die Freiheit lassen, auszuprobieren.
Es gibt aber viele Autoren, die bereits in der Rohfassung Feedback brauchen. Wenn ich da als Kommentator ALLES aufzeige, was noch nicht stimmig ist, bringt das doch niemandem etwas. Und ich habe es schon oft genug erlebt, dass Geschichten deshalb nie über die ersten Kapitel hinaus gekommen sind.
Deshalb finde ich den Punkt extrem wichtig, dass man sich als Autor vorab Gedanken machen sollte, worauf der Kritiker nun achten soll und das auch klar sagt. Und auch dass der Kritiker sich daran hält. Wenn es mir als Autor um die Logik allgemein geht, soll der Kritiker seinen Blick auch genau darauf richten. Denn wenn ich sowieso weiß, dass einige Figuren noch nicht wirklich 100%ig funktionieren, nutzt es mir nichts, wenn der andere noch mit dem Finger darin herumbohrt. Das frustriert mich nur und bringt mich auch nicht weiter. Diesen Punkt gehe ich dann an, wenn es so weit ist.

Zeige ich einem Schreibanfänger alle Defizite auf einmal auf, ist er schnell überfordert. Mache ich das aber Stück für Stück, kann er sich auch Schritt für Schritt voranarbeiten.
Und es ist ja auch so, dass es beim Schreiben lernen auch darum geht, zu lernen, mit Kritik umzugehen. Da muss man genauso reinwachsen.
Und da finde ich es wiederum vorteilhaft, wenn die Formulierung bei negativen Sachen so gehalten wird, dass es ein kann und kein muss ist. Damit sich der Autor nicht gezwungen fühlt, die Meinung bzw. Anmerkungen des Kritikers zu übernehmen. Denn ein Anfänger kann nicht wirklich abwägen, was nun gut oder schlecht ist und lässt sich schnell mal dazu hinreißen, eine Meinung blind zu übernehmen oder als Allgemeingültig zu sehen.

Auch finde ich die Sache mit den Fragen gut. Denn wenn wir uns in etwas verbessern wollen ist es immer von Vorteil, Fehler selbst zu entdecken und aus ihnen zu lernen – diesen Aha-Effekt zu haben. Man muss sich überhaupt erst einmal erlauben, Fehler zu machen und sie als etwas Positives anzusehen.
Wenn ich da bei herkömmlicher Kritik alles wie in der Schule rot angestrichen bekomme, sehe ich zwar, was ich falsch gemacht habe, aber es frustriert mich auch schnell.
Anders ist es, wenn der Kritiker z.B. Fragen stellt und mich damit in die richtige Richtung stupst.

Was diese einzelnen Durchgänge betrifft: Es ist doch eigentlich der ganz normale Überarbeitungsweg. Jedenfalls bei mir. Ich richte meinen Fokus nie auf alles gleichzeitig, sondern gehe Stück für Stück vom Groben ins Detail.
Und was den Zeitaufwand betrifft: Da muss wohl jeder selbst sehen, wie viel er bereit ist zu investieren – sowohl Autor, als auch Kritiker.

Bei dieser Methode geht es in meinen Augen auch nicht darum, jemanden zu verhätscheln und grundlos zu loben. Aber wenn ich auch positive Punkte anführe, sieht der Autor, dass nicht alles schlecht ist. Er sieht, welche Dinge passen und anders herum, wo noch Bearbeitungsbedarf besteht. Sei es in der Geschichte selbst, als auch beim Schreiben allgemein.

Was die Kennzeichnung mit den Ausrufezeichen und Fragezeichen betrifft:
Die dienen doch nur zur Markierung der betreffenden Stellen. Auf die einzelnen Sachen wird doch dann im anschließenden Kommentar ausführlich eingegangen.
(Am Computer kann man sich natürlich gleich die richtien Stellen aus dem Text herausziehen und darauf eingehen.)
Man bekommt also Autor am Ende genau die Informationen, die wichtig sind. Und deshalb denke ich schon, dass dieses Peerfeedback durchaus funktionieren kann und teilweise sogar besser funktioniert, als so manch herkömmliche Kritik. Denn die bringt mich auch nicht immer weiter. Very Happy

Und ich kann mich mit dieser Methode genauso ernsthaft mit dem Schreiben auseinandersetzen, wenn ich denn will. Denn ich arbeite damit ja genauso an meinem Text, mit dem Ziel, das Beste daraus zu machen. Aber dafür brauche ich keine Kritik, die mir irgendetwas vorschreibt, mir irgendwelche Pseudoregeln unter die Nase reibt und/oder mich im Endeffekt ausbremst. Wink 


@Wolfi
Ich hole mir die TextArt immer aus der Bibliothek. Und diese Methode habe ich in der Form noch nicht ausprobiert, versuche aber immer, bei meiner Kritik auch ein wenig davon zu übernehmen. Was nicht immer leicht ist. Aber ich glaube, mit ein wenig Übung passt das irgendwann schon. ^^

LG
Nov





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BeitragThema: Re: Peerfeedback - Die etwas andere Art von Kritik   Heute um 19:08

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