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 Die "Ich-Perspektive"

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BeitragThema: Die "Ich-Perspektive"   18.06.11 0:02

Die "Ich-Perspektive"


Das ist ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Soll ich meine Geschichte in der ersten Person (Ich-Perspektive)schreiben, oder lieber aus der Erzählerperspektive?

Ich selbst schreibe – wie ihr ja vielleicht schon gesehen habt - in der ersten Person und das obwohl mir zu Beginn jeder davon abgeraten hatte. Viele Argumente verunsicherten mich zu Beginn und ich überlegte, ob ich es wirklich wagen sollte.
Dauernd bekam ich Ratschläge wie:

• Das ist die schwerste Version, auch wenn es einfach wirkt.
• Das ist nur etwas für Profis.
• Verlage mögen keine Manuskripte in der ersten Person

Durch die zahlreichen Warnungen unternahm ich den Versuch und schrieb mein erstes Kapitel parallel noch einmal aus der Erzählerperspektive. Beide Varianten gab ich dann einigen Leuten zum Lesen. Das Ergebnis war eindeutig: Ausnahmslos allen hatte meine Ich-Perspektive wesentlich besser gefallen. Die einhellige Meinung war: Hier kommen die Gefühle deiner Protagonistin sehr viel deutlicher zum Tragen. Sie wirkt sehr viel lebendiger und man ist um einiges näher an deiner Figur dran.

Ich habe für mich selbst entdeckt, dass ich mich bei dieser Version einfach sehr viel wohler fühle und nur so in der Lage bin, die Gefühle in die Geschichte zu packen, wie ich es mir vorstelle.
Lass dich durch andere nicht verunsichern, wenn du das Gefühl hast, nur in der Ich-Perspektive, das Ausdrücken zu können, was du beabsichtigst, dann solltest du es auch tun.

Solltest du dich für die Erzählung aus der ersten Person entscheiden, gibt es allerdings wirklich einen wichtigen Punkt, den du unbedingt im Auge behalten musst, wenn deine Geschichte glaubhaft bei dem Leser ankommen soll.
Du muss dir bei jedem Satz, den du schreibst, im Klaren darüber sein, dass du nur das Erzählen kannst, was dein Protagonist oder deine Protagonistin sieht oder erlebt.
Bei offensichtlichen Sachen mag das noch einfach sein und du wirst sagen: Ja, ist klar, dass meine Figur nicht wissen kann, was im Nebenzimmer geschieht oder was bei einer Versammlung besprochen wurde, an der sie nicht teilgenommen hat.
Aber wie leicht man diese Regel bei den Feinheiten übersehen kann, möchte ich euch an einigen Beispielen, wie sie mir teilweise selbst passiert sind, aufzeigen:

Ich errötete.
Jetzt mag der Erste schon fragen, was an diesem winzig kleinen Satz den falsch sein soll. Ganz einfach. Niemand, der nicht gerade in einen Spiegel schaut, sieht, dass er errötet. Korrekt müsste man nun schreiben:
Ich spürte, wie mir die Hitze ins Gesicht schoss.

Er ärgerte sich über Nicholas Aussage.
Wie kann die Protagonistin das wissen? Sie kann es allerhöchsten vermuten.
Korrekt müsste es heißen:
Augenscheinlich ärgerte er sich über Nicholas Aussage.
Oder
Ich vermutete, er ärgerte sich über Nicholas Aussage.

Sein Arm schmerzte dermaßen, dass es ihm die Sinne zu rauben drohte.
Auch das kann die Protagonistin nicht wissen, sondern lediglich vermuten.
Also auch hier wäre die korrekte Version:
Ich ahnte, dass der Schmerz ihn zu übermannen drohte.

Wie ihr seht, schleichen sich solche Fehler schneller ein, als man es vermutet und ich habe selbst bei einer Linguistin, deren Geschichte ich betagelesen habe, den einen oder anderen Fehler in dieser Form gefunden. Deshalb ist es bei der Ich-Perspektive besonders wichtig, dass eure Betaleser auf genau solche Fehlerquellen achten, da man sie alleine unmöglich immer alle umgehen kann.
Also nur Mut. Wenn ihr euch in der Ich-Perspektive wohler fühlt, dann schreibt eure Geschichte auch so. Denn letztendlich entscheidet nicht die Version, aus der die Geschichte erzählt wird, sondern das, was bei der Geschichte an Gefühl rüber kommt.




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