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 Die Charakterentwicklung

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Xhex
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BeitragThema: Die Charakterentwicklung   17.06.11 23:25

Die Charakterentwicklung


Das wohl Wichtigste an deiner Geschichte ist die Entwicklung der Charaktere, die in deiner Geschichte eine Rolle spielen sollen. Dabei versteht es sich von selbst, dass dein(e) Protagonist(in) die gründlichste Ausarbeitung von allen Charakteren überhaupt benötigt. Deine Hauptfigur musst du im Prinzip besser kennen als deine Familie oder deinen besten Freund oder Freundin. Warum? Nun, nur so kannst du deine Figur dem Leser glaubhaft rüberbringen.
Die Vorgehensweise, wie du an deine Charakterentwicklung gehen kannst ist dabei sehr unterschiedlich und nur du kannst dabei entscheiden, welche Weise die Beste für dich ist.
Einige schwören auf einen sehr ausführlichen Steckbrief, in dem wirklich jede winzige Kleinigkeit geplant und überlegt ist, während andere die Charaktere einfach auf sich zukommen lassen, wie einen fremden, den man erst nach und nach kennenlernt.
Welche Art für dich die Beste ist, kannst - wie gesagt - nur du ganz alleine entscheiden.
Ich persönlich halte es mit meinen Charakteren wie folgt:
Ich lerne einen neuen Charakter kennen, wie ich ihn auch im wirklichen Leben kennenlernen würde. Das heißt, zu Beginn kenne ich sein Äußeres und ein paar Daten wie seinen Name und Alter. Denn, wie ist das denn, wenn ihr jemand Neues kennenlernt? Kennt ihr gleich am ersten Tag seinen ganzen Werdegang? Wisst ihr, was er für eine Schulbildung hat, was er für Vorlieben oder Abneigungen hat? Kennt ihr seine Wohnungseinrichtung oder wisst ihr welche Schicksalsschläge er in seinem Leben schon  hinter sich hat? Wisst ihr wirklich schon zu Beginn, welche Musik er mag oder welche Macken er hat? Ob er ein ehrlicher Charakter ist, oder es faustdick hinter den Ohren hat.
Aber das ist nur meine ganz persönlich Meinung. Natürlich kann jeder von euch an die Charakterentwicklung so dran gehen, wie es zu ihm und seinen Vorstellungen am Besten passt.
Eine weitere Möglichkeit, deinen Charakter besser kennenzulernen, ist, mit ihm ein fiktives Interview durchzuführen. Was ich persönlich nur jedem von euch empfehlen kann, denn nirgends sonst lernt man den Charakter einer Figur besser kennen als in einem Interview.
Ihr seht, die Möglichkeiten der Charakterentwicklung ist wirklich sehr groß und es gibt nicht DEN richtigen Weg um ans Ziel zu gelangen, sondern für jeden gibt es eine andere Art und Weise, wie er am Besten in der Lage ist seinen Charakter zu entwickeln. Wichtig ist letztendlich nur, dass ihr ihn entwickelt und ihr eure Figuren in jeder Situation ganz genau kennt und wisst, wie sie in dieser oder jener Situation reagieren würden.
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November

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BeitragThema: Re: Die Charakterentwicklung   16.10.13 15:05

Wie Xhex in ihrem Beitrag schon erwähnte, ist die Charakterentwicklung eine der wichtigsten Punkte überhaupt. Deshalb möchte ich euch auch noch ein paar Tipps dazu geben. Smile 

Ehrlich gesagt halte ich von diesen Charakterbögen nicht wirklich viel, denn mir ist das einfach zu formell, zu nackt. Ich lasse meine Figuren lieber Tagebuch führen. Dadurch lerne ich gleich ihre Erzählstimme kennen und bekomme auch ein ganz anderes Gespür für sie. Gerade bei den Hauptakteuren finde ich das enorm wichtig.

Wenn ihr eure Figuren noch auf etwas andere Weise zum Reden bringen wollt, gebt ihnen doch einfach mal Satzanfänge vor, die sie dann weiterführen müssen. Ebenso gut eignen sich auch bestimmte Schlagwörter. Entweder ihr wählt sie zufällig aus, oder aber bewusst zum Thema eurer Geschichte oder auch, wenn ihr etwas Spezielles über die jeweilige Figur erfahren wollt.
Oder ihr nehmt einen Satz aus einem Buch, einen Textauszug aus einem Lied, etc. Im Prinzip eignet sich alles.  
Eine andere Variante wäre auch noch, dass ihr euren Figuren Zitate gebt und in Erfahrung bringt, wie sie darüber denken.

Manche Figuren sind allerdings nicht sehr gesprächig, und dann steht man als Autor vor einem Problem. Aber heißt es nicht: Taten sagen mehr als tausend Worte? Na also!
Steckt eure Figuren doch einfach mal in verschiedene Situationen und guckt, was sie machen. So könnt ihr sie von allen Seiten kennen lernen.
Lasst sie einkaufen gehen, oder ins Kino … Lasst sie in Nachbars Garten Obst klauen und findet heraus, dass sie auf Äpfel allergisch sind.

Oder seid ein wenig fies und werft sie einfach mal in Extremsituationen:
Ihr wisst zum Beispiel schon, dass eine eurer Figuren einen bestimmten Typ Mensch nicht mag. Super. Dann lockt sie doch mit genau solch einem Exemplar in einen Fahrstuhl und verursacht eine Havarie. Das kann ein normaler Stillstand sein, oder ein Kabelbrand, etc.
Wollt ihr erst noch herausfinden, wen eure Figuren mögen und wen nicht, dann packt einfach die unterschiedlichsten Typen (zusammen oder einzeln) in die Fahrstuhlkabine.

Schickt eure Figuren an Bord eines Flugzeugs und bringt dieses zum (fast) Absturz. Wie verhalten sie sich? Wie verhalten sie sich danach?
Bringt sie in andere brenzlige Situation. Zum Beispiel mitten in einen Banküberfall, einen Autounfall, Zugunglück. Setzt sie auf einer eisamen Insel aus. Oder sperrt sie in ein Verlies - vielleicht bekommt ihr dadurch heraus, dass sie unter Klaustrophobie oder Arachnophobie leiden. Wenn ihr Glück habt, findet ihr dafür auch gleich noch die Ursache.

Möglichkeiten gibt es viele, um möglichst facettenreiche Figuren zu (er)finden - um ihre Stärken und Schwächen herauszukristallisieren.

Selbst wenn euch eure Figuren dafür verfluchen, was ihr ihnen da antut … Versucht es zu ignorieren. Sie werden es euch verzeihen. Nämlich dann, wenn sie in den Geschichten keine Abziehbilder oder Pappfiguren sind, sondern „echte Menschen“. Interessante Wesen mit natürlichen Charakteren.

Fazit:
Bringt eure Figuren zum Reden. Nicht nur im Rahmen der Geschichte, sondern allgemein. Dadurch bekommt ihr einen größeren Einblick in die jeweiligen Charaktere und vielleicht auch gleich neue Ideen, die ihr mit in die Geschichten einbinden könnt.

Erfindet Situation, mit denen ihr die Möglichkeit habt, neue Charaktereigenschaften zu finden, oder bereits bestehende zu testen.

Ihr könnt das schriftlich machen - ausführlich oder nur in Stichpunkten - oder aber auch dadurch, dass ihr es euch vorstellt. Lasst es wie einen kleinen Film vor eurem inneren Auge ablaufen.

***

Eine weiter Möglichkeit wäre eine Jahres-Liste:

Dafür nehmt ihr ein Blatt Papier (oder Computerdokument) und schreibt auf der linken Seite untereinander die einzelnen Lebensjahre (Alter) eurer Figur auf - von der Geburt bis zum Zeitpunkt der Geschichte. Lasst dazwischen immer ein wenig Platz.
Nun denkt ihr euch für jedes Jahr mindestens eine besondere Begebenheit aus, die ihr rechts daneben eintragt und ggf. noch näher beschreibt. Wie ausführlich das wird, bleibt euch überlassen. Das muss nicht immer etwas Dramatisches sein, sondern kann auch Dinge wie den ersten Kuss, einen Ausflug etc., beinhalten. Es geht einfach darum, ein Leben zu erfinden.  
Ihr müsst dabei auch keine bestimmte Reihenfolge einhalten, aber achtet darauf, dass letztendlich alles stimmig ist.

Mal ein kleines Beispiel:

Mario Müller

Geburt..................Vater verlässt Mutter
...........................- den Grund dafür erfährt er erst während der Geschichte


1. Lebensjahr.........Bekommt Talismann zum Geburtstag
...........................- es ist ein besonderes Geschenk seiner Mutter


2. Lebensjahr.........Mutter hat tödlichen Autounfall
...........................- er kommt in eine Pflegefamilie


3. Lebensjahr.........Pflegemutter stirbt
...........................- er kommt daraufhin in ein Heim

usw.


(Eigentlich sollte das jetzt eine Tabelle werden, aber ich bekomme sie leider nicht eingefügt. Also denkt euch die Striche drumherum einfach dazu und die unschönen Punkte dafür weg. Very Happy )


Mir hilft diese Jahres-Liste sehr, denn damit kann ich Lücken in der Biografie füllen und einzelne Fakten daraus für die Tagebucheinträge benutzen.

Zudem habe ich damit beim Schreiben eine schöne Übersicht.

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Miss Pelled

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BeitragThema: Re: Die Charakterentwicklung   28.07.15 11:36

Ich weiß jetzt nicht genau, ob ich hier schreiben darf, wenn nicht den Beitrag bitte löschen.

Ich halte es wie eher wie eine Mischung aus Xhex, November und meiner Art zu schreiben. Ich "träume" mich in meine Charaktere hinein.

Am Anfang lege ich mir ein Grundkonzept, Beispiel mal an meinem Roman Kahlyn

Fritz Jacob, einer der wichtigsten Figuren im Teil 1, neben Kahlyn

Doktor Fritz Jacob ... Grundgerüst
189 cm 85 kg 28 Jahre
haselnussbraune Augen
trinkt seinen Kaffee immer schwarz
unverheirateter Student im Abschlussjahr
für ihn ist der Beruf des Arztes eine Berufung
der beste Student seines Jahrgangs
Menschlichkeit geht ihm über alles
fährt sich mit den Händen durch die Haare, wenn er verzweifelt nach einer Lösung sucht
neigt dazu, schnell abzunehmen
wird von seinen Kollegen trotz seiner Jugend akzeptiert, weil er tut was er sagt.
wird von "seinen" Kindern Doko gerufen
übernimmt eine Aufgabe zu hundert Prozent und führt sie zu Ende
trinkt nur sehr selten Alkohol
mag Kraftsport, Billiard, Schach oder einfach nur mal träumen

... dies ist praktisch mein Grundgerüst, auf was ich dann den Charakter aufbaue. Ein Charakter braucht ja eine Vergangenheit und eine Zukunft in die er gehen will, sonst steht man irgendwann da und buha, was mache ich jetzt, wie verdammt nochmal hat mein Charakter nur so eine Entwicklung nehmen können. Wichtig ist, dass man weiß wie der Charakter tickt. Klar nehmen manche Charaktere im Laufe der Geschichte eine völlig andere Entwicklung, aber da spielt die Geschichte selber eine Rolle. Einige Charaktere, so empfinde ich es jedenfalls, müssen fest verankert werden. Sozusagen als Rahmen. Zu diesen Charakteren gehört bei mir Doko Jacob, wie er von Kahlyn immer genannt wird und Kahlyn selber. Im Laufe der Geschichte entwickelt sich der Charakter, je nach Zeitfenster. Doko ist fast 18 Jahre im Projekt Dalinow beschäftigt und dies ist eine sehr lange Zeit. Daher ändert sich auch sein Wesen und sein Aussehen, dies füge ich im Laufe der Zeit, zu meiner virtuellen Charakterkarte dazu. Einfach um später nachsehen zu können, wenn ich mehr als einen Charakter weiter entwickeln möchte.

Mir ist oft aufgefallen, dass gerade bei Hobbyautoren die Charaktere oft, wie soll ich es ausdrücke, keine Linie haben. Einmal nehmen sie Zucker und Milch zum Kaffee, weil sie ihn so besser vertragen, das andere mal behaupten sie steif und fest, ihren Kaffee immer schwarz getrunken zu haben, wie ihre Seele. Das geht irgendwie nicht und es sind die Dinge die einen Charakter unglaubwürdig machen. Genauso wie bestimmte Rituale die Charaktere sich angewöhnen, die sollten typisch nur für diesen Charakter sein. Der Wiedererkennungwert halt.

Doktor Fritz Jacob ... Vergangenheit
Vollwaise, der Tod zieht sich durch sein Leben, Vater, Mutter, Großvater, Großmutter
Verletzung durch einen Bombenangriff, dadurch Kontakt zur Medizin
keine finanziellen Mittel, deshalb Militärztliche Laufbahn
Ein Judo AS
hat den Dan judan, den höchsten Grad im Judo,
hat einige Meisterschaften gewonnen
praktiziert nebenher in der Notaufnahme, Lebenunterhalt
liebt knifflige Aufgaben, forscht gern, sucht die Herausforderungen aber auch den Kontakt zu den Patienten
ist ein sehr angesehener Arzt, durch seine Forschungsarbeit während des Studiums über die Uni hinaus bekannt
hilfsbereiter Kollege, der auch einmal dem Hausmeister oder Gärtner in der Universitätsklinik zur Hand geht
ist bei den Kollegen und Patienten beliebt, weil er zuhören kann und Lösungen für jedes Problem findet
Lebt auf nur 8 qm in seiner Studentenbude, ist daher sehr genügsam
hat sich schon während seines Studiums einen guten Ruf erworben
seine Bezugsperson ist sein Mentor Arthur Hillinger, der ihm mehr Freund und Vater ist
Streit mit Hillinger, der nicht will das Jacob zum Projekt Dalinow geht.
Warum erfährt Jacob erst knapp zwei Jahre später

Doktor Jacob ... Entwicklung
hat die MMS(Militärmedizinische Sektion) als Oberstabsarzt Major verlassen
auf Grund seiner gute Leistungen, wird er mit nur 30 Jahren zum Chefarzt des Projektes Dalinow
Wird von Franz Hunsinger und Major Mayer für das Projekt der „100“ verpflichtet
alles was er von dem Projekt erfährt, fasziniert ihn
er soll laut Hunsinger und Mayer, Soldaten stärker und leistungsfähiger machen
das bedeutet für ihn Forschung und gleichzeitig der Umgang mit Patienten, dass was er sucht
später stellt es sich als Lüge heraus
lernt im Projekt seine Frau kennen und nennt sie Anne
wohnt nach dem Projekt in Harkensee

Doktor Jacob ... Schluss
weißhaarig
dick 110 kg
tiefe Lebenslinien im Gesicht, mit vielen tiefen Lachfalten um die Augen
Lacht immer noch viel und gern über sich selber
ist immer noch offen und kontaktfreudig
seine Patienten stehen immer noch an erster Stelle, die neuen, wie auch die alten
Landarztpraxis und intigriert im Dorf
hält Kontakt zu "seinen" Kindern und beginnt ein Buch zu schreiben.

... Alles was nach dem Grundgerüst kommt, entwickelt sich im Laufe der Geschichte. Der Schluss allerdings, den lege ich immer schon am Anfang mit fest, denn das ist das Ziel wo ich hin will, auf das ich zuarbeite . Ich habe euch jetzt nicht alles hier hingeschrieben, denn alleine Doko Jacobs Charakterkarte umfasst viele kleine Details, die mir wichtig sind, aber nur für die Geschichte selber von Bedeutung sind. Wichtig ist nur. Dass man sich Notizen in der Charakterkarte macht und diese ständig aktuell hält. Dies macht zwar etwas Arbeit, aber ist oft hilfreicher, als wenn man dann im Buch nach einer bestimmten Stelle suchen muss, um etwas nach zu lesen. Oder beim Durcharbeiten der Geschichte feststellt, da ist doch ein Logikfehler drin. Das umzuschreiben, ist dann oft schwierig.

Ich habe dies erlebt, als ich an einer anderen nicht ganz so umfangreichen Geschichte gearbeitet habe. Dort dann wieder Ordnung hinein zubringen, ist oft schwierig und oftmals landen solche Geschichten dann im Papierkorb. Ich hoffe ich konnte euch auch etwas helfen. Lg Miss
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BeitragThema: Re: Die Charakterentwicklung   28.07.15 13:11


Natürlich darfst du hier schreiben, das ist überhaupt kein Problem. Im Gegegnteil, finde es sogar gut, dass du den Thread mit einem Beitrag von dir bereicherst und damit aufzeigst, wie du an deine Charakterentwicklung herangehst.

_________________
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BeitragThema: Re: Die Charakterentwicklung   28.07.15 18:42

Ja, das ist doch das spannende an einem Forum, dass jeder sagen und zeigen kann, wie er es macht. So kann man sich Inspiration holen, sich einfach kennenlernen, sehen, wie andere Menschen ticken. Spannend und alles fließt ja in die Quellen des Schriftstellers ein, vielleicht übernimmt man nicht deinen Arbeitsstil, aber eine Figur pirscht sich an, die genauso arbeiten möchte.
Ich finde den Ansatz auch sehr interessant, dass du quasi zwei Punkte festlegst, so wie ich dich verstanden habe, den Ausgangspunkt und dann das Ziel, wohin sich die Figuren verändern sollen.
Für mich als reinen Bauchschreiber ist das immer faszinierend, dass man das festlegen kann und dann damit arbeiten.
Bei mir ist das so, dass ich losschreibe, eine Szene tut sich auf, eine Figur fängt an zu denken und ich weiß oft nicht, wie sie aussieht, wer sie ist und kriege das halt immer mehr mit, genau wie der Leser. Manchmal kenne ich nichtmal das Geschlecht. Solange ich schnell genug schreibe, klappt das auch gut, nun sind meine Geschichten (und ich Rolling Eyes ) so alt, dass ich langsam auch solche Karteikarten brauche.

Ist bei dir wirklich das Grundkonzept zuerst da und dann träumst du dich hinein? Oder ist das immer anders? wie war das bei Kahlyn? Wann tauchte Fritz Jakob in deinem Kopf auf? Hatte er schon ein Aussehen, oder planst du das vorher?
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BeitragThema: Re: Die Charakterentwicklung   28.07.15 23:06

Danke ihr beiden ...

... das Grundkonzept ist klar ... auch wenn Doko Jacob ursprünglich nicht die große Rolle gespielt hat, war für mich von Anfang an klar, dass er seine Kinder beeinflusst hat. Denn Anna (seine Frau) und Fritz Jacob, verkörpern für die Hundert so etwas wie Elternersatz. Sie leiden die Kinder durch ihre Liebe zu Menschen zu werden, die sie ja nicht sind. Von den Hundert, hat die Kleinste den engsten Kontakt zu den Jacobs und sie lernt durch die beiden menschlich zu bleiben. Fritz Jacob hat sehr viel Ähnlichkeit im Charakter mit meinem Großvater. So ein ruhiger, besonnener Erdenbürger, der tief in seinem Herzen nur eins will, Frieden.

Daher habe ich die Anfangs und Endpunkte von Jacob sehr früh festgelegt. Ich glaube als ich beim zweiten Kapitel war, wurde mir klar, er ist eine der Hauptfiguren. Dass ich ihn einmal ganz ausarbeiten muss, hätte ich mir nie träumen lassen, das war der Wunsch der Leser. Das gleiche passierte mit Mayer. Mayer trat im eigentlichen ersten Teil nur in einer kurzen Szene auf, als brutales und hinterhältiges Ars... Später fragten mich die Leser, wie ein Mensch so werden kann? Da war ich heil froh, dass ich seine Figur, ausgearbeitet hatte und so bestimmte Details in die Geschichte hineinpacken konnte, obwohl die Geschichte ja schon fertig ist. Nicht alle Dinge die man festlegt benötigt man für die Geschichte, aber sie müssen in deinem Kopf verankert sein, damit die Geschichte zum Ende hin stimmt. Sonst, so ist es bei mir jedenfalls, verwickelt man sich in Widersprüche ... So wie ich das mit dem Kaffee versucht habe zu erklären.

Ich könnte nie ins blaue hinein schreiben, da ich ein ganz schlechtes Gedächtnis habe, seit meinem Unfall. Von daher sind solche Stützen für mich notwendig, um mich nicht zu verfranzen. Wenn man den Anfang und das Ende einer Entwicklung kennt, kann man einfach besser planen und gezielter vorgehen. Jacob ist ja nicht von heute auf morgen dick geworden. Was hat dies für Gründe? Mayer war doch bestimmt nicht immer so ein Charakterschwein. Was war der Auslöser für seine Charakterliche Veränderung? Du merkst Wolfsspur, durch das Festlegen einen Chars, gibst du der Geschichte eine Richtung. Mayer ist tief in seinem Herzen eigentlich ein "guter" Mensch, aber das Schicksal hat ihm das wichtigste in seinem Leben genommen und Kahlyn hat das Pech, seine ganze Wut auf sich zu ziehen, warum, wenn ich das hier schreibe, nehme ich der Geschichte ja die Spannung, das versteht man nur, wenn man das Buch gelesen hat.
Jacob und Mayer waren am Beginn der Geschichte einmal Freunde, zum Schluss sind sie arge Feinde.
Genau dies kann man am Beginn der Geschichte schon festlegen. Wie sich das entwickelt, ergibt sich aus dem Verlauf der Entwicklung. Dies kann ich selber auch nicht genau planen, deshalb ja auch die Vergangenheit die eine Rolle spielt und die Entwicklung. Was dort drin steht entwickelt sich im Laufe des Schreibens und ich notiere mir dort nur die wichtigen Fakten, um sie bei Notwendigkeit nachlesen zu können.

So wie du, einfach los schreiben könnte ich nicht. Da würde ich mich völlig verfranzen und würde nie ans ziel kommen. Ich träume mich praktisch vom Grundgerüst der Geschichte zum Ziel und versuche die Charaktere für den Leser bildlich zu machen. So durch die kleinen Eigenarten die jeder Mensch hat. Der eine legt den Finger an den Mund zum Nachdenken, ein anderer reibt sich das Genick, wenn er vor unlösbaren Problemen steht und wieder ein anderer rauft sich ständig die Haare. Verstehst du was ich meine. Auch andere Charaktereigenschaften entwickeln sich vom Grundgerüst bis hin zum Schluss. Wenn jemand immer erst an andere denkt und dann an sich, eine Grundeigenschaft von Kahlyn. Prägt es diesen Menschen. Andere sind verfressen oder können besonders gut singen oder zeichnen. Solche Dinge sollte man als Grundgerüst von Anfang an festlegen, nicht im Detail, sondern nur als Eigenschaften. Ob man diese dann ausbaut, bleibt dahin gestellt. Oft kommen auch während der Geschichte noch wichtige Personen dazu, an die du am Anfang gar nicht gedacht hast. Zum Schluss sind es viele Personen, die nur ab und an mal reinschauen in die Geschichte und nicht wirklich "wichtig" sind, aber du musst sie im Auge behalten und die wichtigsten Dinge die du schon erzählt hast, wissen. Wie trinkt er seinen Scotsch oder Kaffee, welche Farbe trägt er gern und und und
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BeitragThema: Re: Die Charakterentwicklung   05.08.15 21:09

JUHU! Endlich mal noch jemand, der auch dazu neigt, etliche Dinge vorher tatsächlich zu planen, als einfach nur drauf loszuschreiben und dann guckt, was halt passiert Smile
Bei mir ist das oft eine Mischung aus beidem: Um in eine Figur reinzukommen, schreibe ich mich meist erstmal rein - Text produzieren, um ein Gefühl für den Charakter zu bekommen und um zu prüfen, ob das tatsächlich das ist, was ich wollte, brauche und mir gefällt. Dann beginnt aber auch recht fix die Planung, die ähnlich aussieht, wie bei Miss.

- Was ist das für ein Charakter und warum ist der so, wie er ist?
- Was soll der mal irgendwann werden und warum wird der so?

Bei krasseren Persönlichkeitswandlungen werden dann noch Meilensteine in der Charakterentwicklung innerhalb der aufzuschreibenden Geschichte festgelegt, die mir dann einen Aufhänger geben, um glaubwürdig zu aufzuzeigen, warum und an welcher Stelle aus einem mörderischen Soziopaten irgendwann eine Figur wird, die doch tatsächlich sowas wie Sozialkompenz und Verantwortungsbewusstsein zeigen kann (einige im Forum werden wissen, wen ich meine).
Am pingeligsten war ich bisher bei einer Figur, die ich bereits in einer Geschichte verarbeitet habe und der ich dann eine eigene Geschichte gewidmet hatte, die in ihrer Vergangenheit spielt. Einfach drauf losschreiben war nahezu unmöglich, da ich dann ganz schnell eine vollkommen andere Figur rausbekommen hätte, als die, die ich brauchte. Das Schöne an der Sache war, dass ich am Ende eine recht ausführliche Übersicht der Biographie hatte, die mir aufgezeigt hat, an welcher Stelle noch Ecken und Kanten sind und wo das so klappt, wie ich das will. Das ist für mich wie der Blick in ein komplexes Uhrwerk, bei dessen Betrachtung die Bedeutung auch des winzigsten Zahnrades für das große Ganze klar wird das einem verrät, warum die Figuren nunmal so ticken, wie sie ticken.

Trotzdem entdecke ich auch mit intensiver Planung immer noch genug Facetten an meinen Figuren, die mich überraschen, weswegen ich meine Geschichten auch permanent so überarbeite, dass auch bereits geschirbene Szenen Merkmale und Erfahrungen berücksichtigen, die ich selbst auch erst sehr viel später entdeckt habe.

Mit Eigenheiten wie individuellen Gesten beschäftige ich mich jedoch recht selten, also nur, wenn irgendeine Angewohnheit besonders auffällig ist und damit zum Erkennungsmerkmal wird. Meist definiere ich meine Figuren in dieser Hinsicht mit bestimmen Neigungen/ Abneigungen oder Denkmustern, wie Paranoia, Misstrauen, Bockigkeit, Klugscheißerei, Selbstzweifeln, übersteigertes Ego, ... Ich arbeite da wenig mit Äußerlichkeiten, sondern vorwiegend mit Wesenszügen. Haarfarbe, Augenfarbe, Hautfarbe, sofern vorhanden besondere Merkmale wie Narben, Schmuckstücke oder Bärte - das war es dann schon. Und wenn ich auf eine Äußerlichkeit ein paar Mal mehr eingehe oder etwas beschreibe, das möglicherweise unter der Kleidung liegt, kann man bei mir ziemlich sicher sein, dass sich dahinter auch eine tiefere Bedeutung verbirgt (auch wenn ich es manchmal nicht für notwendig erachte, darauf in der eigentlichen Geschichte einzugehen).

Ein besonderer Schwerpunkt sind auch die bösen Buben, die von vielen Autoren hinsichtlich Motivation, Tiefe und Entwicklung in meinen Augen sehr stiefmütterlich behandelt werden. Ich mag kompetente und nachvollziehbare Schurken mit eigener "Antiheldengeschichte". Oft gieb es ja leider nur irgendwie aus dem Off diffundierte Typen (gerne sadistisch für maximale Antipathie beim Leser), die die Weltherrschaft an sich reißen wollen, dabei noch ein paar Minderheiten abschlachten und zum Frühstück kleine Kinder essen, damit man halt ein schön finsteres Feindbild für den Helden hat. Muss ja schließlich einen hübschen Grund für all den Aufwand der sogenannten "Guten" geben.


(Ist jetzt irgendwie doch wieder mehr geworden, als beabsichtigt ...)
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