Fantasy-Schreibforum
 
PortalStartseiteFAQAnmeldenLogin

Austausch | 
 

 Der Plot Twist

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
Xhex
Admin
Admin
avatar

Anzahl der Beiträge : 4199
Punkte : 5739
Bewertungssystem : 28
Anmeldedatum : 23.02.11
Alter : 46
Ort : Limburg

BeitragThema: Der Plot Twist   07.05.15 14:28


Der Plot Twist



Die Merkmale des Plot Twist und was er bewirkt


Der Plot Twist, oder auch die unvorhergesehene Wendung, beschreibt ein besonderes Überraschungsmoment, das meistens am Ende oder kurz vor dem Ende einer Geschichte über den gespannten Leser oder Zuschauer hereinbricht.
Er beschreibt eine Kehrtwende des bisherigen Geschehens und lässt alle noch so sicheren Vermutungen des Lesers oder Publikums vergebens werden. Der Leser/Zuschauer ist von der unvorhergesehenen Wendung von einem Buch oder Film überrascht und geschockt zugleich; er hätte schlichtweg nicht damit gerechnet; ein wahrer Geniestreich eben.
Auch Buchserien bedienen sich dieses Werkzeugs in einer ähnlichen Form. So kann ein Band mit einem sogenannten "Cliffhanger" enden, einer Situation, die nicht wirklich abzusehen war und eine überraschende Enthüllung liefert.
Hat der Plot Twist sich erst einmal als solcher offenbart, so kann es gut möglich sein, dass dem Leser oder Zuschauer nachträglich kleine Details ein- und auffallen, die die Wahrheit bereits zuvor in kleinen Portionen ankündigten. Unter Umständen hat es dann sogar Sinn und macht Spaß, dieses Buch oder den Film noch einmal zu lesen, bzw zu sehen und darauf zu achten, welche Andeutungen man beim ersten Mal übersehen hat.


Wie schreibt man einen Plot Twist?


Hier habt ihr als Autor nun zwei verschiedene Möglichkeiten.

1.) Den Twist mit Foreshadowing (epische Vorausdeutung)
2.) Den Twist ohne Foreshadowing


1.) Der Twist mit Foreshadowing

- Hier hat der Leser alle Informationen, die theoretisch für das Erkennen der tatsächlichen Situation wichtig sind.

- Und der Leser interpretiert die Informationen auf dieselbe Weise wie der Protagonist – nämlich auf die falsche Weise.

Der Protagonist reflektiert die vorhandenen Informationen so überzeugend und clever, dass der Leser gar nicht anders kann, als sie genau gleich zu interpretieren. Das ist nicht nur eine Möglichkeit um Charaktereigenschaften zu zeigen, sondern senkt auch den inneren Widerstand des Lesers, damit er durch ein wenig intelligentes Reflektieren des Helden nicht plötzlich denkt: „Bist du blind? Das ist total offensichtlich!“ oder, noch wichtiger: „Ich würde das nicht so machen wie der Held.“

Optional: Ein entscheidendes Detail lässt der Protagonist beim Reflektieren aus, um den Leser eiskalt damit zu erwischen. Der Autor kann dieses Detail zuvor maskieren, indem er es als unwichtig erscheinen lässt oder innerhalb einer Beschreibung so einbaut, dass es schnell überlesen werden kann.

Optional: Die wahre Natur der Situation entspricht genau dem Gegenteil der ursprünglich angenommenen Situation.


2.) Der Twist ohne Foreshadowing

Eine andere Art von Plot-Twist ist der, in dem der Leser nicht alle Informationen besitzt, die „Enthüllung“ aber trotz allem überraschend ist.
Der absolute Klassiker dafür wäre „Es war alles nur ein Traum!“ – Twist. Da im Traum selbst nicht deutlich wird, dass der Protagonist träumt, fehlt dementsprechend das Foreshadowing.

Das Ganze kann noch immer effektiv und überraschend sein, hat aber einen kleinen Nachteil:

Der Leser wird dabei nicht ganz so aktiviert wie beim Twist mit Foreshadowing. Bei der Variante mit dem Foreshadowing kann man nämlich die ganze Zeit über mitdenken. Diese Möglichkeit wird bei Twists ohne Foreshadowing auf die reine, unvorhergesehene Überraschung reduziert.


Der Twist, der die Kontinuität ignoriert


Mal angenommen, wir haben ein tolles Buch, mit einem schönen Twist, erinnern uns aber dann an eine Szene zurück, in der total offensichtlich ist, dass das entscheidende Detail nicht einfach nur maskiert, sondern vollkommen anders beschrieben wurde. Es gibt Leser, die dadurch vollkommen aus einer Geschichte gerissen werden, wenn ihnen solch ein Logikfehler auffällt.

An und für sich halte ich Twists, bei denen einfach nur aus Versehen vergessen wurde, ein wichtiges Detail richtig einzusetzen für gar nicht schlimm. Aber wenn sie anfangen, die Kontinuität (sei es das glaubhafte Verhalten eines Charakters, eine Regel die über das Setting etabliert wurde wird außer Acht gelassen, etc.) oder Logik dadurch schleifen zu lassen, ist das sehr schade.

Ein aktuelles Beispiel hierfür, gibt es in J. R. Wards Buch "Fallen Angels - Die Versuchung".

In dem Buch hat Ward auch gleich zwei Plot Twist untergebracht. Der erste ist noch recht gut, wenn auch da für meine Begriffe schon etwas an den Haaren herbei gezogen, der zweite jedoch basiert auf schlichte Irreführung des Lesers.

Vor dem ersten Plot Twist wird G.B. - ein Musiker, dem die gesamte Frauenwelt zu Füßen liegt - stets als sensibler, einfühlsamer Mensch präsentiert. Es gibt nicht die geringste Anzeichen dafür, dass es sich anders verhalten könnte. Softe Gesangsstime, verständnisvoll, charmant und humorvoll. Dass er dann plötzlich als gefühlskalter Frauenmörder aufgezeigt wird, quasi als der Soziopath schlechthin, fehlt zuvor auch das allerkleinste Anzeichen. Es wird auch nicht im Nachhinein erklärt (was dann ja noch völlig in Ordnung wäre).
Der zweite Plot Twist allerdings, kommt dann in meinen Augen wirklich nicht nur wie aus dem Nichts, sondern hier ist der Leser ganz bewusst in die Irre geführt worden. Und zwar verhält es sich wie folgt, dass Duke und G. B. sich beide um Cait bemühen. Bei Duke wird dann auch recht schnell klar, dass seine Anfangsmotivation dafür nur darin begründet ist, dass er - Achtung, hier nun die bewusste Irreführung! - diesem Schnösel von Schmalzsänger die Eroberung streitig machen will. Doch dann verliebt er sich selbst in Cait. So weit so gut. Nun aber, als Cait den bedrückt wirkenden Duke fragt, was los sei, kommt dieser Plot Twist, der für mich weder Hand noch Fuß hat:

"Was ist damals wirklich passiert?" Sie legte die Hand auf seinen Unterarm. "Du kannst es mir erzählen."
Na ja, mein Bruder hat herausgefunden, dass ich mich in eine Frau verliebt habe, hat sie verführt und geschwängert ... und das hat mich dermaßen aus der Bahn geworfen, dass ich nie darüber hinweggekommen bin. Vor allem, weil ich ihn genau kannte - ich wusste, wozu er in der Lage ist. Und seit Jahren warte ich darauf, es ihm heimzuzahlen ...
Duke sah Cait über den Tisch hinweg an, während er den Gedanken zu Ende führte: Und du warst das Mittel zum Zweck.
Schon Ewigkeiten beschattete er G. B. aus der Ferne, beobachtete ihn vom Spiefeldrand aus und verfolgte seine 'Karriere'. Wie sich herausgestellte, hatte sein Zwillingsbruder nichts mit Duke gemein, abgesehen von einer Sache: Er pflegte nie eine ernsthafte Beziehung.


Ein Beispiel für einen guten Plot-Twist (in meinen Augen)


ist sicher Band 1 der Buchreihe "The Walking Dead". Denn neben einem richtigen dicken Plot Twist am Ende des Buches, hält dieser erste Band auch schon innerhalb der Geschichte mehrere Überraschungen parat. Welche? Nun, ich makiere euch in der anschließenden Zusammenfassung die zwei größten Plot Twists, zu denen ich mich im Anschluss dann noch äußeren werde.

Zusammenfassung von The Walking Dead – Rise of the Governor:

Brian Blake sitzt zusammen mit seiner Nichte Penny in einer Abstellkammer, während sein jüngerer Bruder Philip Blake zusammen mit seinen Schulfreunden Bobby und Nick ein Haus von Zombies befreit. Bei dieser Säuberungsaktion wird jedoch ein Zombie übersehen. Dieser wird Bobby zum Verhängnis. Er fällt einem Zombie-Kind zum Opfer, das in einer Hundehütte unbemerkt saß.
Da das Haus zunehmend von den Untoten belagert wird, beschließt Philip, die Unterkunft Richtung Atlanta zu verlassen. In Atlanta sollen sich Funkmeldungen zufolge sichere Flüchtlingslager befinden. Doch statt der erhofften Hilfe finden die Überlebenden in Atlanta nur Untote vor. Von Untoten eingekreist und dem Tode nah, wird die Gruppe um Philip von der jungen April Chamler gerettet. Diese hat sich mit ihrer Schwester Tara und ihrem kranken Vater David in einem Haus in Atlanta verschanzt. Die neu zusammengewürfelte Gruppe richtet sich in der Unterkunft ein, säubert weitere Stockwerke von Untoten und beginnt, die Umgebung auszukundschaften. Zu einem tragischen Ereignis kommt es, als der kranke David Chamler eines natürlichen Todes stirbt und als Zombie wiederkehrt. Mit knapper Not kann David endgültig ins Jenseits befördert werden. Bei einer Erkundungstour von Philip und April kommt es zu einem folgenschweren Vorfall: Als sich die beiden näher kommen, brennen dem dominanten und psychisch labilen Philip die Sicherungen durch und er vergeht sich an April.
Dies führt dazu, dass Philip und die anderen Neuankömmlinge aus dem sicheren Hort verjagt werden. Bei ihrer erneuten Flucht vor den Untoten findet die vierköpfige Gruppe Unterschlupf in einem verlassenen Herrenhaus auf einer Plantage. Nachts werden sie jedoch von Banditen eingekreist und es kommt zu einem Feuergefecht, bei dem Penny erschossen wird. Philip kollabiert psychisch: Er schlägt seinen Bruder Brian fast tot und vergeht sich auf unmenschliche Art und Weise an zwei Angreifern, die er als Geiseln hält. Nick erschießt die beiden Geiseln, um ihnen Erlösung von Philips Qualen zu gewähren. Philip, der zusehends labiler wird und seine Zombie-Tochter angeleint mit sich führt, beschließt, das Herrenhaus zu verlassen. Da ihr Auto liegen bleibt, muss die Gruppe zu Fuß die Reise fortsetzen.
Durch Zufall finden Sie Woodbury – eine kleine Siedlung mit ca. 60 Überlebenden, die von drei National-Gardisten terrorisiert wird. In Woodbury, dem „Warteraum der Hölle“, wie es die Einwohner nennen, verliert Philip völlig den Bezug zur Realität. So verfüttert er Menschenfleisch an seine tote Zombie-Tochter. Eines Nachts verfolgen Brian und Nick Philip in den nahe gelegenen Wald und beobachten, wie er eine junge Frau töten will. Um dies zu verhindern, erschießt Nick den überraschten Philip. Der entsetzte Brian tötet hierauf Nick. Darauf verliert sich Brian mehr und mehr in einer Scheinwelt. Bei einer Versammlung in Woodbury, bei der der Schreckensregent der Stadt einen Bewohner erschießt, durchlebt Brian Blake eine Wandlung. Er tötet den Tyrannen von Woodbury und bereitet die Anwohner auf den Kampf gegen die beiden übrig gebliebenen National-Gardisten vor. Auf die Frage, wer er überhaupt sei, antwortet Brian „Ich bin Philip Blake“ – die Geburtsstunde des Gouverneurs.


Zu den markierten Plot Twists:

Bei dieser Säuberungsaktion wird jedoch ein Zombie übersehen. Dieser wird Bobby zum Verhängnis. Er fällt einem Zombie-Kind zum Opfer, das in einer Hundehütte unbemerkt saß.

Hier handelt es sich um einen Plot Twist, den man als Leser zwar schon erahnen kann, der dann aber, als er tatsächlich eintrifft, dennoch seine Überraschung nicht verliert.
Denn der Leser ahnt - wie Brian - dass sich noch ein Zombie auf dem Anwesen befinden könnte. Aber Brian (und somit auch deer Leser) erwartet diesen Zombie oben auf dem Dachboden, wo Brian immer wieder verdächtige Geräusche hört, die, wie sich letztendlich aber herausstellt, von einem Nagetier (ich meine, es wäre eine Ratte gewesen) verursacht worden ist.
Als es dann zu der Szene bei der Hundehütte kommt, hat man das vermisste Kind schon gar nicht mehr auf der Rechung - auch als Leser nicht - und ist dementsprechend geschockt, als es sich aus der Hundehütte heraus, über Bobby hermacht.


Auf die Frage, wer er überhaupt sei, antwortet Brian „Ich bin Philip Blake“ – die Geburtsstunde des Gouverneurs.

Der Plot Twist schlechthin, mit dem man als Leser - ganz besonders, wenn man den Gouverneur aus der TV-Serie her kennt - überhaupt nicht rechnet. Denn Brian wird während dem gesamten Buch charakterlich immer als der schwächere, ängstlichere und auch häufig kränkliche Bruder von Philipp dargestellt. Brian fürchtet und bewundert Philipp und dessen gesamte Art das ganze Buch hindurch, während er sich selbst stets nur als den Verlierer betrachtet, der nie etwas auf die Reihe bekommt. Philipp wird hingegen charakterlich genau so dargestellt, wie ihn der Leser schon aus der TV-Serie als Gouverneur kennt: ein gefürchteter und skrupelloser Despot, der mit harter Hand seine Schützlinge zu dominieren weiß und zusehends entmenschlicht.
Dass es sich in Wahrheit beim Gouverneur nicht um den echten Philip Blake, sondern seinen älteren Bruder Brian Blake handelt, darauf wäre der Leser das gesamte Buch über nicht einmal im Ansatz gekommen. Und dennoch ist es nachvollziehbar und glaubhaft erzählt worden.


Ein weiteres Beispiel für einen hervorragenden Plot Twist, dieses Mal aus dem Bereich Kinofilm ist sicher der Film "Iron Man 3"

Wer den Film gesehen hat, dem wird sicher wie mir auch, die Kinnlade heruntergefallen sein, als sich herausgestellt, dass es sich beim vermeintlichen Mandarin nicht um den ultimativen Gegner handelt, sondern um einen Schauspieler, und der wahre Mandarin jemand ganz anderes ist. Einfach großartig!
Diesen Plot Twist habe ich hier in einem Video aufgezeigt.

Iron Man 3 - Der Mandarin


Und zum Abschluss noch ein Beispiel für einen wirklich guten Plot Twist gibt es hier, in unseren eigenen Reihen.

Und zwar bei "Das Grab des Gestaltwanderers" von Wolfsspur. Ich will diesen hier jetzt gar nicht verraten - lest einfach diese tolle Geschichte - aber ich kann euch allen versichern, dass ich damit auch niemals gerechnet hätte.  mr.green


_________________
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen. ~ Albert Einstein.
Nach oben Nach unten
http://stefaniefoitzik.jimdo.com/
turbo



Anzahl der Beiträge : 83
Punkte : 96
Bewertungssystem : 3
Anmeldedatum : 09.04.14

BeitragThema: Re: Der Plot Twist   07.05.15 15:57

Ich finde, am besten sind tatsächlich die Plot-Twists, bei denen man sich fragt: Hätte ich das nicht merken müssen? An welcher Stelle habe ich mich in die Ire führen lassen? Ich gehöre auch zu den Leuten, die das betreffende Buch dann noch einmal lesen oder sich den Film noch einmal anschauen.
Ein sehr bekanntes Beispiel aus dem Filmbereich ist ja "The Sixt Sense".

Was sicher auch alle hier kennen ist "Die Geschichte des Prinzen" aus Harry Potter.
J.K. Rowling spielt ja in fast jedem Band mit unseren Vorurteilen und es ist ganz anders, als wir Leser erwartet haben.
In Band 1 verdächtigen wir gemeinsam mit Harry sie ganze Zeit Snape, dabei ist es Quirrell, der im Dienst Voldemorts steht.
In Band 2 wird Hagrid verdächtigt und Draco Malfoy - doch der wahre Erbe Slytherins ist ein ganz anderer.
In Band 3 sind alle auf der Jagd nach dem Verräter Black, dabei war er all die Jahre unschuldig im Gefängnis. Er war auch nie auf der Jagd nach Harry, sondern er wollte Peter Pettigrew stellen, den wahren Verräter.
Niemand kommt auf die Idee, dass in Band 4 ausgerechnet Moody die Person ist, in deren Gestalt Voldemorts treuester Diener in Hogwarts Harry in seine Gewalt bekommen will. Der Vorfall mit den Mülltonnen wird so schlüssig mit der Verschrobenheit des Ex-Auroren erklärt, dass niemand hinterfragt, ob nicht tatsächlich ein Angriff stattgefunden hat.
Nach den Enthüllungen über Snape kann man als Leser so viele Dinge aus den vergangenen Bänden in einem ganz anderen Licht sehen.

Gute Plot Twists sind meiner Meinung nach echt schwierig zu schreiben, obwohl es bestimmt Spaß macht, den Leser ein wenig in die Irre zu führen und dann einen echten Aha-Effekt zu erzielen.

Ich weiß nicht genau, ob das folgende Beispiel auch dazuzählt. "Ein Schritt ins Leere" von Agatha Christie.
Der Sterbende am Beginn des Buches spricht die merkwürdigen, scheinbar sinnlosen Worte: "Warum haben sie nicht Evans gefragt?" - und es dauert viele Kapitel, bis der Leser erkennt, was dieser Satz bedeutet. In Agatha Christies Krimis gibt es ja oft unerwartete Wendungen, aber man fühlt sich als Leser nicht betrogen, denn man merkt, dass man seine Aufmerksamkeit nur den falschen Details zugewandt hat. Das ist dieser "Wann-hätte-ich-es-merken-müssen-Effekt".
Nach oben Nach unten
Wolfsspur
Admin
Admin
avatar

Anzahl der Beiträge : 2405
Punkte : 3112
Bewertungssystem : 36
Anmeldedatum : 05.03.13
Alter : 42

BeitragThema: Re: Der Plot Twist   07.05.15 23:32

Toller Beitrag!

reich beschenkt Und Danke dir für das schöne Kompliment! Knuddeln Die Geschichte hat mich selber überrascht. Beim schreiben weiß ich meist nicht, warum ich zum Beispiel eine Kapitelüberschrift wähle und dann gärt das. Mein unbewusste liebt es auch mich immer reinzulegen, wann immer ich zu weit im voraus plane, trifft das garantiert nicht ein in der Geschichte. Da ist mein innerer Schreiber bockig. Es wird nicht geplottet!
Aber zum Plot Twist.
Ich finde es auch immens wichtig, dass der Leser sich nicht verraten fühlt. Der Plot Twist mit dem Gouverneur gefällt mir besonders. Er ähnelt denen, die mir eigentlich passieren. Das Geheimnis liegt in den Figuren und der Leser kann sich nicht verraten fühlen, weil die Figuren es selber nicht gewusst haben oder es eben ein schmerzliches Geheimnis ist.
Den Klassiker. Man merkt nicht, wo der feind ist und ist abgelenkt von einem Geräusch, den hab ich noch nie gelesen, den kenne ich eigentlich nur aus dem Film, wo man dann ja schon immer rufen kann. VORSICHT! Die Figur, die das Geräusch hört, stirbt! Da ist es schon sehr schwer da noch wieder ein Wendung reinzubringen, das man überrascht ist.
Ja, in Harry Potter verbergen sich ganz viele, das macht neben den Figuren sicherlich die Besonderheit aus. Und bei Harry Potter kann man noch eine großartige Komposition beobachten, wie sie die Geschichte webt, so dass in einem Kapitel zwar vieles abgeschlossen wird an Einheiten, aber immer mindestens eine wichtige Sache ins nächste Kapitel zieht, so dass aufhören immer schwer fällt. Es lohnt sich also auch zu überlegen, wo man den Plot Twist plaziert. Der Gong am Ende eines Kapitels, oder doch verweben innerhalb.
Nach oben Nach unten
Xhex
Admin
Admin
avatar

Anzahl der Beiträge : 4199
Punkte : 5739
Bewertungssystem : 28
Anmeldedatum : 23.02.11
Alter : 46
Ort : Limburg

BeitragThema: Re: Der Plot Twist   08.05.15 10:05

Danke! blumen

Planen ist bei mir auch immer so eine Sache, denn meine Figuren werfen letztendlich ja doch alles über den Haufen und machen, was sie wollen. Und plotten ... das mache ich immer im Nachhinein ... grins Womit mein 'Plot' eigentlich eher eine Übersicht als dann tatsächlich ein Plot ist.

Ja, der Gouvernour Twist war wirklich richtig gut vorbereitet, glaubhaft und hatte dennoch diesen "Wumms-Effekt". Aber auch das mit dem Zombie Kind. Richtig gut. Man entdeckt wie Brian, dass dieses Kind von dem Familienfoto, hier nirgends unter den erlegten Zombies dabei ist. Durchsucht mit der Gruppe das Haus, findet nicht und mutmaßt mit Brian und den anderen, dass das Kind vielleicht zur Zeit, wo die Zombies über die Familie hergefallen sind, bei den Großeltern oder Freunden war, hört dann mit Brian gemeinsam das Kratzen auf dem Dachboden. Ist felsenfest davon überzeugt, das muss das Kind sein. Geht gemeinsam mit Brian und Philipp auf den Dachboden, die Nerven aufs äußerte angespannt und dann - ist es nur ein Nagetier, gefangen in einer großen Holzkiste, das sich zu befreien versucht hat. Dann einige Tage später!!!!! Großer Kampf gegen eine Invasion an Zombies, die Eindringen wollen, alles steht auf der Kippe. Der Gruppe gelingt es nur mit Mühe, zu siegen, und Bobby setzt sich erschöpft auf den Boden, lehnt sich mit dem Rücken an die Hundehütte neben dem Eingang, er atmet durch (der Leser auch), ein paar der Gruppe machen Witze um so ihre Anspannung in den Griff zu kriegen ... und genau DA schnappt sich wie aus dem Nichts das Zombie Kind Bobby. Klasse!!!!

Richtig, Turbo, der Film "The Sixt Sense" ist da ja nun wirklich das Paradebeispiel eines gelungenen Plot Twists.
Und ja, die Harry Potter Bücher, auch sehr gute Beispiele, wie man es richtig machen kann.

_________________
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen. ~ Albert Einstein.
Nach oben Nach unten
http://stefaniefoitzik.jimdo.com/
Chewi

avatar

Anzahl der Beiträge : 702
Punkte : 788
Bewertungssystem : 7
Anmeldedatum : 08.02.14
Ort : Berlin

BeitragThema: Re: Der Plot Twist   10.05.15 0:35

Schön zusammengefasst, wirklich Smile
Und da habe ich gleich überlegt, welche von meinen Lieblingsgeschichten einen Plot Twist drin haben. Kleinere gibt es immer mal wieder und bei vielen Stellen frage ich mich so ein bisschen ob das jetzt einfach eine Kurve im Handlungsverlauf ist oder ob man das als Plot Twist verbuchen kann.
Plot Twists sind auf jeden Fall ein sehr schönes Stilmittel, allerdings in meinen Augen nicht entscheidend für eine gute Geschichte. Wobei das Gegenteil schon eher zutrifft: ein unglaubwürdiger Plot Twist kann durchaus das Todesurteil für eine Geschichte sein. (Mein Beispiel wäre Band eins der "Evernight"-Reihe, den mir damals eine Freundin aufgenötigt hat zu lesen. Achtung Spoiler: Mitten im Buch stellt sich heraus, dass die Protagonistin ein Vampir ist und das so gut wie absolut jeder im Buch die ganze Zeit auch wusste. Das ganze Buch (oder fast das ganze Buch) ist in ihrer Perspektive geschrieben und es gibt für ihre Vampieridentität absolut keinerlei Anhaltspunkte. Und plötzlich trinkt sie jeden Tag Blut zu Essen, wie andere Leute Tee.)

Hier im Forum scheine ich ja einer der wenigen Leute zu sein, die tatsächlich vorher einen Plot aufstellen und ihn auch niederschreiben. Mir hilft das beim Schreiben ungemein - gerade wenn es darum geht, einen Plot Twist zu entwickeln, weil ich dann einfach vernünftig planen und mir überlegen kann, was ich vorher sage und was nicht, um dann die Wendung vorbereiten zu können.
Nach oben Nach unten
Xhex
Admin
Admin
avatar

Anzahl der Beiträge : 4199
Punkte : 5739
Bewertungssystem : 28
Anmeldedatum : 23.02.11
Alter : 46
Ort : Limburg

BeitragThema: Re: Der Plot Twist   10.05.15 9:58


Danke.

Ohja, Evernight Rolling Eyes Genau dieser "tolle" Plot Twist war es, durch den ich mir als Leser sowas von veräppelt vorgekommen bin, dass ich das Buch zwar noch zu Ende gelesen habe, es dann aber auch dankend bei diesem einen Band belassen habe. Dieser Plot Twist ist wirklich ein Paradebeispiel dafür, wie man einen Plot Twist NICHT schreiben sollte. Hier wird der Leser nämlich bis zur entsprechenden Stelle wirklich ganz bewusst in die Irre geführt.
Im Übrigen kann ich dir da nur zustimmen, Chewi, dass ein gutes Buch nicht zwingend auf einen Plot Twist angewiesen ist.

Ich habe es wirklich schon ein paar Mal versucht, einen Plot zu schreiben - ist jedes Mal total in die Hose gegangen, weil meine Figuren ja sowieso machen, was sie wollen und dann alles ganz anders kommt, als ich das eigentlich geplant hatte. mr.green
Selbst das geplante Ende von meinem ersten Band hat sich geändert. Also die Szene wird es schon noch geben, aber es ist eben nicht mehr das Ende von Band 1, sondern wird Teil von Band 2 werden. Das aber nur, weil dieser erste Band von der Seitenanzahl her viel zu umfangreich werden würde, sodass ich den Cut einfach schon früher machen muss.
Daher macht das Plotten bei mir wirklich wenig Sinn.

_________________
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen. ~ Albert Einstein.
Nach oben Nach unten
http://stefaniefoitzik.jimdo.com/
turbo



Anzahl der Beiträge : 83
Punkte : 96
Bewertungssystem : 3
Anmeldedatum : 09.04.14

BeitragThema: Re: Der Plot Twist   10.05.15 13:58

Ich gehöre auch zu denen, die ohne Plot nicht können. Zumindest grob ist alles vorgeplant. Deshalb musste ich auch Elizabeth so früh "umbringen", deshalb muss Amina sterben und Jefirs Dorf zerstört werden.
Der Leser lernt relativ früh die alte Tamar kennen, damit er sich - genau wie Amina und Jefiral - fragen kann, ob die zerzauste Elster etwas mit ihr zu tun hat.
Ich denke, wenn man das so will, dann muss der Leser auch alle relevanten Informationen bekommen, sonst funktioniert es nicht.

Die Sache mit dem "Es-war-nur -ein-Traum" habe ich allerdings auch verwendet, aber nur in einer relativ kurzen Passage.
Gerade, als Jefiral seinen Tod durch sein eigenes Schwert akzeptiert, kommt der Moment des Erwachens. Die Träume dienen dabei aber eher der Spiegelung von inneren Konflikten und Spannungen als dem Plot-Twist.


Ich finde, eines der besten Beispiele für die im Eröffnungspost genannte Maskierung ist bei Harry Potter die Szene am Rand des Verbotenen Waldes. In Band 6 wird Hagrid unfreiwillig Zeuge des Gespräches zwischen Dumbledore und Snape. Er erzählt Harry davon:
Er sagte, Dumbledore würde zu viel für selbstverständlich halten und vielleicht würde er - Snape - es nicht mehr tun wollen. Hagrid rutscht heraus, dass es ein ziemlich hitziges Gespräch war und dass Dumbledore glatt gesagt hat, er hätte sich dazu bereit erklärt und damit basta. Alles, was wir als Leser hier erfahren, verstärkt unseren Verdacht gegen Snape.

Tatsächlich gibt es aber für den aufmerksamen Leser bereits in Band 6 einen entscheidenden Hinweis auf die wahren Tatsachen. Es ist das Flehen Dumbledores auf dem Astronomieturm, das "Severus, bitte ...". Albus Dumbledore, für den der Tod nichts anderes war als ein weiterer Schritt, ein weiteres großes Abenteuer ( "... für den gut vorbereiteten Geist ... "), würde niemals um sein Leben flehen. Der Leser fragt sich ( zumindest mir ging es so ): Kann es sein, dass er um seinen Tod bat?
Erst im Kapitel "Die Geschichte des Prinzen" in Band 7 werden wir als Leser auch Zeuge dieser von Hagrid belauschten Unterhaltung und erfahren, dass das, was Snape vielleicht nicht mehr tun will, die Tötung Dumbledores ist.
Das fand ich handwerklich ganz toll gemacht.
Nach oben Nach unten
Chewi

avatar

Anzahl der Beiträge : 702
Punkte : 788
Bewertungssystem : 7
Anmeldedatum : 08.02.14
Ort : Berlin

BeitragThema: Re: Der Plot Twist   10.05.15 23:47

Plotten hilft teilweise wirklich ungemein. Es muss ja gar nicht mal viel sein, aber mal ein Stichpunkt zu jedem Kapitel kann schon eine echte Hilfe sein. Ich habe die Planung für eine Geschichte auf der Festplatte, wo sich die gesamte Handlung um einen gigantischen Plot Twist herum aufbauen soll und zwar in so großem Stil, dass da eine genaue Planung notwendig werden wird, welche Caraktere was wissen und in wie weit sie dann Perspektiventräger sein können, einfach damit nicht am Ende eine Leserverarsche wie bei Evernight bei rauskommt. (Das Projekt ist allerdings erstmal nicht mehr als ein Notizzettel aufm Rechner, da ich erstmal Surea fertig bekommen möchte, bevor ich was neues anfange. Freue mich aber schon ungemein drauf: Vollkommen andere Geschichte mit einer vollkommen anderen Magie.)

Ansonsten mag ich Plot Twists sehr gerne, die dann beim Leser die Wertung von Gut und Böse auf den Kopf stellen und davon wird es auf jeden Fall auch in Sureas Geschichte ein, zwei kleine geben.
Und beim Seelenfänger habe ich aufgrund meiner chaotischen Reinfolge hier im Forum schon ein paar echt interessante Dinge erlebt: Szenen, die zwar in der eigentlichen Geschichte kein Plot Twist darstellen, die aber durchaus so verstanden werden können, wenn man sie aus dem Zusammenhang reißt.

Und Harry Potter ist in mehrfacher Hinsicht ein Paradebeispiel für gelungene Plot Twists. Einfach ganz großes Kino!
Nach oben Nach unten
Xhex
Admin
Admin
avatar

Anzahl der Beiträge : 4199
Punkte : 5739
Bewertungssystem : 28
Anmeldedatum : 23.02.11
Alter : 46
Ort : Limburg

BeitragThema: Re: Der Plot Twist   20.12.15 15:36


Ich habe jetzt am Wochenende den neuen Film (DVD, kein Kinofilm) von Jeffrey Dean Morgan "Die Entführung von Bus 657" (Originaltitel: Heist) gesehen und wurde da am Ende von einem wirklich guten Plot Twist überrascht, den man so zwar wirklich niemals erahnt hätte, ABER wenn man sich den Film ein zweites Mal anschaut (was ich heute getan habe), man tatsächlich viele kleine versteckte Hinweise auf genau diesen Plot Twist finden kann. Also ein richtig gut angelegter Plot Twist, den ich euch auch nicht vorenthalten möchte und euch deshalb die Szene mit dem Plot Twist hochgeladen habe. Vorab eine kleine Zusammenfassung, worum es in dem Film überhaupt geht.

Inhalt:

Der Kleinkriminelle Vaughn (Jeffrey Dean Morgan) braucht dringend 300.000 Dollar, um eine lebensrettende Operation für seine Tochter zu finanzieren. Als er bei seinem Arbeitgeber und Casinoboss The Pope (Robert De Niro) um Hilfe bittet, stößt er jedoch auf taube Ohren und wird hochkantig rausgeschmissen. Gemeinsam mit Cox (Dave Bautista) vom Sicherheitsdienst beschließt er daraufhin, den Tresor des Casinos auszurauben. Bei der hastig geplanten Aktion geht etwas schief und Vaughn und Cox sehen sich gezwungen, einen Linienbus mitsamt seiner Passagiere zu entführen, um ihre Flucht zu gewährleisten. Es beginnt eine rasante Verfolgungsjagd, während der Vaughn nicht nur versuchen muss, der Polizei, angeführt von Officer Bajos (Gina Carano), ein Schnippchen zu schlagen, sondern außerdem mit Popes rechter Hand, dem wahnsinnigen Dog (Morris Chestnut), fertig werden muss. Vaughn hat jedoch noch das ein oder andere Ass im Ärmel…

Und hier nun der Originaltrailer des Films, an dessen Ende ich die alles erklärende Szene mit dem vollständigen Plot Twist angehängt habe.

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]

Bin gespannt, wie euch der Plot Twist gefallen hat. mr.green

_________________
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen. ~ Albert Einstein.
Nach oben Nach unten
http://stefaniefoitzik.jimdo.com/
Wolfsspur
Admin
Admin
avatar

Anzahl der Beiträge : 2405
Punkte : 3112
Bewertungssystem : 36
Anmeldedatum : 05.03.13
Alter : 42

BeitragThema: Re: Der Plot Twist   20.12.15 17:42

Kann ich leider nicht schauen, den Film will ich doch noch ganz sehen!!!!
Nach oben Nach unten
Xhex
Admin
Admin
avatar

Anzahl der Beiträge : 4199
Punkte : 5739
Bewertungssystem : 28
Anmeldedatum : 23.02.11
Alter : 46
Ort : Limburg

BeitragThema: Re: Der Plot Twist   20.12.15 17:49


Oh, dann darfst du dir das wirklich auf gar keinen Fall anschauen! Der Film insgesamt ist nämlich mindestens so gut, wie es der Plot Twist selbst auch ist. Jeffrey Dean organ, aber auch Robert De Niro spielen alle beide in dem Film mal richtig, richtig gut.

_________________
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen. ~ Albert Einstein.
Nach oben Nach unten
http://stefaniefoitzik.jimdo.com/
Gesponserte Inhalte




BeitragThema: Re: Der Plot Twist   

Nach oben Nach unten
 
Der Plot Twist
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1
 Ähnliche Themen
-
» Der Plot Twist
» Simon Beckett - Obsession
» Vorschlag: Plot-Werkstatt
» Wie lang/ausführlich ist ein Plot?

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Das Fantasy-Schreibforum :: Handwerksgasse :: Grundlagen zum Schreiben-
Gehe zu: